Rezension || Die amerikanische Nacht – Marisha Pessl

Dieses Buch. Meine Güte, bin ich fertig mit den Nerven. Auf eine gute Art und Weise, aber trotzdem. Die amerikanische Nacht hat mich fix und fertig gemacht. Ich weiß nicht, wann ich ein Buch das letzte Mal derart spannend fand, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte. Mit rund achthundert Seiten ist Die amerikanische Nacht ein richtiger Wälzer, aber ehrlich, davon merkt man beinahe gar nichts. Die Seiten fliegen nur so dahin. Und ich weiß ehrlich gar nicht wie ich dieses wunderbare Buch überhaupt in Worte fassen soll. Es hat mich auf eine Art beeindruckt, die ich kaum beschreiben kann, aber ich fand es großartig und möchte nun auf jeden Fall noch die anderen Werke der Autorin lesen.

Aber bevor ich vollkommen in Ausführungen und Schwärmereien über dieses grandiose Buch verfalle, sollte ich euch vielleicht sagen was euch in Die amerikanische Nacht eigentlich erwartet:

Ashley, die vierundzwanzigjährige Tochter des bekannten Filmregisseurs Stanislas Cordova, wurde tot in dem Fahrstuhlschacht eines verlassenen Gebäudes aufgefunden. Selbstmord, sagt die Polizei. Davon ist der investigative Journalist Scott McGrath allerdings nicht so wirklich überzeugt, denn er vermutet schon länger, dass die Familie Cordova Dreck am stecken hat – nur nachweisen konnte er ihnen nie etwas und so hat er sich vor Jahren seine Karriere ruiniert. Aber Ashleys unerwarteter Tod lässt ihn nicht los und so stürzt er sich erneut intensiv in die Ermittlungsarbeit.

Ich glaube man hat eben schon einen kleinen Eindruck davon bekommen wie beeindruckt ich von diesem Buch bin. Ich mache keine Witze, wenn ich sage, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte und ich bin bloß froh, dass ich es am Wochenende zur Hand genommen habe, denn ich kam beide Tage erst spät aus dem Bett, weil aus ein paar Seiten nach dem Aufwachen lesen eher Stunden voll angespanntem Seiten umblättern und mitfiebern geworden sind.

Von der ersten Seite an hat Die amerikanische Nacht mich in seinen Bann gezogen. Ich hatte es schon länger auf der Wunschliste, weil ich einige englischsprachige BookTuber sehr positiv darüber habe reden hören, während das Buch – so kommt es mir zumindest vor – in Deutschland unbekannter ist. Das könnte aber auch daran liegen, dass es kein Jugendbuch ist, was das Genre ist, mit dem ich mich am meisten beschäftige, vielleicht habe ich also auch nur einiges verpasst. Wer weiß. Ich bin jedenfalls wahnsinnig froh zu dem Buch gegriffen zu haben, denn es ist definitiv ein Jahreshighlight für mich und eine Geschichte, die ich so schnell vermutlich nicht vergessen werde.

Wie gesagt hat Marisha Pessl es geschafft mich von der ersten Seite an um den kleinen Finger zu wickeln. Obwohl ich besonders den Erzähler und auch zwei wichtige Nebencharaktere, Nora und Hopper, die ihm bei der Ermittlung rund um Ashleys Tod behilflich sind, zunächst nicht so recht einschätzen konnte, so war das Mysterium um Ashley und ihren Vater doch Anreiz genug dranzubleiben und mich auf die Geschichte einzulassen.

Die Atmosphäre, die Marisha Pessl in Die amerikanische Nacht geschaffen hat, kann ich kaum anders beschreiben als gruselig. Auf eine gute Art und Weise, wenn das Sinn ergibt. Nicht gruselig im Sinne von zum Fürchten, aber auf eine unaufdringliche Art war die Geschichte sehr eindrucksvoll und fast schon Gänsehaut verursachend. Es ist kein Buch das man unbedingt im Dunkeln lesen möchte, wobei ich auch sagen muss, dass ich was das angeht ein Angsthase bin. Ich hasse hasse hasse Horrorfilme und vermeide es einfach tunlichst sie zu gucken; das gruseligste, was ich mir antue ist Supernatural. Mein Grusel-Level ist also nicht so hoch, weshalb es euch nicht abschrecken sollte, wenn ich noch fünf Mal erwähne wie unglaublich creepy ich dieses Buch fand. Ihr glaubt nicht wie schreckhaft ich heute war, nachdem ich eine der wirklich gruseligen Szenen gestern Nacht gelesen habe. Die Atmosphäre ist düster und unheimlich; man ist sich teilweise nicht sicher was real ist und was nicht, wer gut ist oder böse und gibt es überhaupt ein gut und böse? Ich habe das Buch aus der Bücherei ausgeliehen und war zunächst verwirrt, dass es einen Sticker mit der Aufschrift Fantasy auf dem Buchrücken stehen hat, denn was ich bis dato von Die amerikanische Nacht gehört hatte klang eher nach einem Thriller als nach Fantasy – und das ist es auch nicht. Aber die Geschichte beschäftigt sich ab einem gewissen Punkt mit dem Okkultem, mit Flüchen und dem Teufel und ich war unglaublich fasziniert von der Richtung, welche die Geschichte genommen hat.

Zunächst liest sich Die amerikanische Nacht wie ein typischer Krimi: Der Protagonist – in diesem Fall Scott McGrath – verfolgt eine Spur, findet Hinweise, hangelt sich irgendwie von A nach B und kommt so schließlich dem Geheimnis auf die Spur. Und in gewisser Weise ist dieser Roman ebenso abgelaufen, allerdings hat die Autorin es immer wieder geschafft die Handlung in eine andere Richtung zu lenken, einen erst das eine und dann das andere glauben zu lassen, bis man genauso am Zweifeln ist wie McGrath selbst. Ich fand es großartig wie die Autorin einen in die Irre geführt hat und die Aufmachung des Buches hat die düstere, unheimliche Stimmung des Romans noch einmal verstärkt.

Das gesamte Buch ist hin und wieder gespickt mit Zeitungsartikeln, Internetseiten oder Bildern, was das Ganze noch einmal auf eine völlig andere Ebene gehoben hat und die Geschehnisse, die man dank des detail- und methapernreichen Schreibstils ohnehin schon gut vor Augen hatte, noch einmal wunderbar unterstrichen. Besonders die Bilder haben bei mir teilweise dafür gesorgt, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Wie gesagt, ich bin der festen Überzeugung ich hätte nie ein gruseligeres Buch gelesen; mit der Aussage beziehe ich mich allerdings besonders auf Szenen im letzten Viertel des Buches.

Das Buch war andererseits aber auch keinesfalls perfekt, so beeindruckend wie ich es auch gefunden habe. Es gab hier und da ein paar Kleinigkeiten, die mir nicht so gut gefallen haben, wie zum Beispiel das Ende. Beziehungsweise bin ich mir immer noch nicht sicher, was ich von dem Ende eigentlich halte. Und in einem Kapitel kann ich eine Handlung von McGrath einfach absolut nicht nachvollziehen, aber das alles sind im großen und ganzen eher Kleinigkeiten, die mich so wenig gestört haben, dass es kaum erwähnenswert ist.

Die amerikanische Nacht hat eine totale Sogwirkung auf mich ausgeübt. Das Buch war unglaublich fesselnd, unglaublich spannend und düster und so so gut. Eine ganz große Empfehlung, wenn man Bücher mag, bei denen man in die Irre geführt wird und die immer wieder andere Richtungen einschlagen. Ich fand – wie man glaube ich gemerkt hat – Die amerikanische Nacht wahnsinnig beeindruckend und es ist definitiv ein Buch, das ich so schnell nicht vergessen werde.


Autor/in: Marisha Pessl 

Seiten: 800

Verlag: S. Fischer 

Sprache: Deutsch 
Originaltitel: Night Film 

Reihe: -

Wertung: 4,5 Sterne 

 

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