Rezension || Sawkill Girls – Claire Legrand

Dieses Buch, Leute, dieses Buch. Wie man auf dem Bild sieht habe ich es als Hörbuch gehört und es hat mir so gut gefallen. Je mehr ich gehört habe, desto begeisterter war ich und jetzt, ein paar Stunden, nachdem ich das Buch beendet habe und noch einmal gründlich drüber nachgedacht habe, bin ich immer noch absolut hin und weg. Ich fand Sawkill Girls wirklich großartig, so viel soll schonmal im voraus gesagt sein. Nur, dass ihr wisst, worauf ihr euch einlasst. Also:

Wenn ich mich kurz fassen und wenig verraten möchte, dann würde ich sagen es geht um eine Insel, drei Mädchen und ein Monster. Keine sonderlich vielsagende Zusammenfassung, aber mehr muss man meiner Meinung nach auch gar nicht wissen. Und wenn euch das nicht überzeugt, dann vielleicht das hier: 

Das war es nämlich, was mich zu dem Buch hingezogen hat. So hat die Autorin auf Goodreads ihr Buch „rezensiert“ und ich fand, dass das sogar noch besser klang als der Klappentext und hatte mich somit entschieden, was mein nächstes Hörbuch werden würde. 

Wenn euch der Klappentext allerdings interessiert, weil euch das nicht reicht, dann könnt ihr den HIER nachlesen. 

Wie eben schon gesagt bin ich absolut begeistert von dem Buch – das war allerdings nicht immer so. Nach den ersten Kapiteln war ich mir sogar fast sicher, dass ich das Hörbuch zurückgeben würde.

In Sawkill Girls geht es hauptsächlich um drei Mädchen:

Marion, die neu auf Sawkill Rock ist und eher unscheinbar. Für ihre Familie ist sie der Fels in der Brandung.

Zoey, die eher eine Außenseiterin ist, seit ihre beste Freundin Thora eines von den vielen verschwundenen Mädchen geworden ist und sie öffentlich Val beschuldigte, etwas damit zu tun zu haben.

Und Val, die schon immer auf Sawkill Rock lebt und deren Familie dort das Sagen hat.

Man liest aus allen drei Sichten, was mich gerade zu Anfang mächtig gestört hat, denn ich kam überhaupt nicht gut in die Geschichte rein. Zu viele Namen, zu viele Fragen und Mysterien. Ich hatte auch das Gefühl, dass insbesondere viele Nachnamen ähnlich klangen und ich habe immer mal wieder welche durcheinander geschmissen, aber letztendlich ist das nur eine Kleinigkeit und hat mich in meinem Lesevergnügen kaum beeinträchtigt. Außerdem muss ich allerdings sagen, dass ich zunächst kein allzu großer Fan von der Hörbuchsprecherin war, aber als dann ein paar Kapitel später der erste Gänsehaut Moment kam war ich mit einem Mal vollkommen gefesselt.

Auf Sawkill Rock gibt es nämlich eine Sage von einem Monster, das dafür verantwortlich ist, dass seit Jahrzehnten Mädchen spurlos verschwinden – und wie sollte es anders sein, dieses Monster ist natürlich real. Und holy shit, war das gruselig. Es taucht nämlich manchmal in Form eines Kindes auf oder spricht in Reimen, beziehungsweise einem Singsang und ihr könnt euch bestimmt gut vorstellen, dass es einem da kalt den Rücken runterläuft, wenn man das im Ohr hat. Huh.

Little fairy girl, skipping down the sea. Little fairy girl, pretty as can be. Who is the fellow with the bright clean grin? Do you want, fairy girl, to weave a spell for him?

 

Zugegeben: Die Story an sich hat mich nicht unbedingt vom Hocker gerissen. Einiges war vorhersehbar, mich hat nicht so viel überraschen können, aber Claire Legrand hat einfach eine so wunderbar düstere Atmosphäre geschaffen, dass ich das Buch trotzdem kaum aus der Hand legen konnte und es innerhalb kürzester Zeit durchgehört habe. Für die ersten drei Stunden habe ich gefühlt ewig gebraucht, weil ich ein wenig brauchte um in die Geschichte reinzufinden, und die restlichen zehn Stunden habe ich dann in drei Tagen oder so gehört. Okay, sind wir ehrlich: ich höre auf 1,5x Geschwindigkeit, also habe ich gar nicht so lange gebraucht. Aber trotzdem.

Es war also weniger die Handlung, die mich an Sawkill Girls fasziniert hat, sondern die Insel an sich (die übrigens auch einen PoV hat, was zum einen sehr strange und zum anderen sehr cool war) und die Mädchen. Die Beziehung zwischen Marion, Zoey und Val ist nicht gerade unkompliziert und es war unglaublich spannend zu lesen, was sie übereinander denken, wie sie sich näher kommen (oder auch nicht) und wie großartig die drei zusammen sein können.

Mit den Mädchen hat Claire Legrand drei unglaublich starke Hauptpersonen geschaffen. Alle waren auf ihre eigene Art stark, es ist nicht zu leugnen, dass das hier ein richtiges Girl Power Buch ist und sehr feministisch. Und das hat mir richtig, richtig gut gefallen, aber ich muss auch sagen, dass die Autorin für mich manchmal etwas extrem war und gefühlt über’s Ziel hinaus geschossen ist. Zum Beispiel wird gerade gegen Ende häufig einfach gegen Männer allgemein gehatet, was ich irgendwie auch nicht richtig finde oder Zoeys bester Freund Grayson scheut sich etwas zu erklären, weil er ja kein mansplaining betreiben möchte, obwohl Zoey ihn gebeten hat einen Text zu übersetzen, weil er nun einmal als einziger Latein kann. Das kam mir in den Momenten irgendwie etwas falsch vor. Aber nichtsdestotrotz ändert das nichts daran, dass ich die feministische Seite dieses Buches geliebt habe.

Aber das war nicht das einzige, was die Autorin mit den Charakteren gut gemacht hat, sondern viel mehr hat sie auch viel Wert darauf gelegt, dass die Charaktere sehr divers sind, keiner gleicht dem anderen. Es wird mit so einer Leichtigkeit und Natürlichkeit über Homo-, Bi- und Asexualität gesprochen, dass es einem gar nicht vorkommt, als würde es in dem Buch thematisiert werden. Versteht ihr was ich meine? Häufig habe ich in Büchern das Gefühl es gibt nur Charaktere mit verschiedenen Hautfarben, Nationalitäten oder Sexualität, um eine gewisse Quote zu erfüllen, damit man ja niemandem auf die Füße tritt und einem nicht vorgeworfen wird man würde die Repräsentation ebendieser Menschen vernachlässigen. Klingt hart, aber machmal kommt es mir tatsächlich so vor. Und hier nicht! Im Gegenteil. Jeder Charakter war einfach wie er nun einmal war, es wurde nicht großartig ein davon Fass aufgemacht oder betitelt, aber man merkt halt unterschwellig, dass diese Themen eben doch da sind. Für mich hat Claire Legrand all diese Dinge jedenfalls auf eine grandiose und unglaublich natürliche Art repräsentiert und das war es fast schon, was mich an diesem Buch mit am meisten begeistern konnte. Die Charaktere und wie wunderbar verschieden sie waren.

Neben den drei tollen Hauptpersonen fand ich außerdem besonders gelungen, dass ich viele der Charaktere überhaupt nicht einschätzen konnte. Ist jemand böse? Ja? Nein? Vielleicht? Wer weiß das schon. Die Mädchen jedenfalls nicht immer und ich als Leser/Hörer damit auch nicht und diese Ungewissheit hat zu der ohnehin schon düsteren Atmosphäre der Insel wunderbar beigetragen.

Ein Charakter den man allerdings von Anfang an gut einschätzen konnte und der ehrlich gesagt sogar fast mein Lieblingscharakter in diesem Buch ist, war Zoeys bester Freund Grayson. Beziehungsweise ihr Ex-Freund. Die beiden haben eine etwas kompliziertere Beziehung und Vergangenheit und es hat so Spaß gemacht mitzufiebern, ob sie wieder zueinander finden oder nicht. Grayson ist eindeutig ein Sympathieträger in diesem Buch gewesen, die Art von Charakter, von dem man sich wünscht, dass man ihn in seinen eigenen Freundeskreis integrieren könnte.

 


Ja, was soll ich noch sagen? Ich glaube man hat gemerkt, dass ich das Buch sehr gerne mochte. Es war nicht perfekt und ist für mich definitiv kein 5 Sterne Buch, aber Claire Legrand hat es einfach geschafft, dass ich mich in ihrer Welt absolut wohlgefühlt habe, obwohl es eine doch eher düstere Geschichte war und die Handlung recht vorhersehbar. Nichtsdestotrotz finde ich den Schreibstil der Autorin wunderbar; sehr detailreich, aber ohne seitenlange Beschreibungen und auch sehr emotional, wie ich fand. Claire Legrand schafft in Sawkill Girls eine absolute Gänsehaut Atmosphäre* und ich bin sicher, dass das hier nicht das letzte Buch sein wird, das ich von ihr gelesen haben werde. Genau genommen bin ich so kurz davor mir eines ihrer anderen Werke zu bestellen, weil ich im Gefühl habe, dass es mich nicht enttäuschen wird.

* Zum einen liegt es denke ich am Schreibstil, einen großen Teil des Gruselfaktors hat könnte ich mir vorstellen aber auch einfach das Hörbuch an sich ausgemacht. Wem läuft es bitte nicht eiskalt den Rücken runter, wenn eine Kinderstimme einen gruseligen Reim vorträgt?

Beware of the woods and the dark, dank deep. He’ll follow you home and he won’t let you sleep.

 

Autor/in: Claire Legrand

Seiten: 464 

Verlag: Katherine Tegen Books 

Sprache: Englisch 

Reihe: -

Wertung: 4 Sterne

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