Book Talk || How to be a girl: frei, stark und ganz du selbst – Julia Korbik

How to be a girl ist ein Buch, über das ich eigentlich gar nichts wusste, außer, dass ich das Cover cool finde. Es hat mich nämlich ein wenig an Mackenzi Lee’s Bygone Badass Broads erinnert und das habe ich geliebt. Zwar ist mir das Buch auf Instagram mehrmals über den Weg gelaufen, aber sonderlich angesprochen hat es mich trotz des Covers irgendwie nicht. Zumindest hat sich kein „Muss ich haben“ Gefühl bei mir eingestellt.

Das erste Mal in der Hand hatte ich How to be a girl dann allerdings auf der Frankfurter Buchmesse und beim Durchblättern bin ich dann doch neugierig geworden. Anschließend habe ich das Buch für die nächsten Wochen erstmal wieder aus den Augen verloren, wie das halt so ist, wenn die Uni wieder losgeht und man viel um die Ohren hat, aber dann habe ich das Buch beim Stöbern durch Netgalley entdeckt und konnte einfach nicht anders als es anzufragen.

Vielen Dank an Netgalley und den Thienemann-Esslinger Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. 

 

Da es sich bei How to be a girl weniger um ein herkömmliches Buch in dem Sinne handelt wird das hier vermutlich weniger eine Rezension, als dass ich euch das Buch vorstelle, denn die Autorin hat viele spannende Themen angesprochen!

How to be a girl ist praktisch ein Ratgeber für (junge) Mädchen. Es gibt Anleitungen, Tipps und Tricks und Listen. Julia Korbik räumt in diesem Buch mit einigen Geschlechterklischees auf, weist auf Alltagsseximus hin, redet über Bodyshaming und Selfcare. Kurz: Es gibt eine ganze Bandbreite an wichtigen Themen, die in How to be a girl angerissen und umgesetzt werden und die eine Art Leitfaden darstellen – wenn man das denn möchte.


How to be a girl ist so ein Buch, von dem ich mir wünsche, dass ich es schon ein paar Jahre früher hätte lesen können. Ich würde es so gerne meinem Vergangenheits-Ich in die Hand drücken, denn das hätte sicherlich einiges daraus mitnehmen können.

Ich habe das Gefühl, dass ich dieses Jahr angefangen habe etwas kritischer zu lesen, mich mehr mit Themen wie Feminismus und Gleichberechtigung und auch ein wenig Selbstliebe und mental health auseinander zu setzen und hätte ich nicht schon eine Grundlage für das Thema gehabt und einige tolle feministische Bücher in den letzten Monaten gelesen, dann wäre dieses Buch wunderbar zum Augen öffnen gewesen. So habe ich recht wenig gelernt, aber das Lesen hat dennoch viel Spaß gemacht und gerade für jüngere Mädchen ist das Buch aus meiner Sicht eine große Bereicherung.

How to be a girl ist in fünf Abschnitte unterteilt.

Der erste Part »Weil ich ein Mädchen bin… oder?« räumt mit Geschlechterklischees auf, nimmt gesellschaftliche Erwartungen auseinander und macht klar, dass es kein „perfektes“ Mädchen gibt. Der erste Teil gibt außerdem einen Einblick in das Spektrum der verschiedenen Gender. Gerade letzteres finde ich für jüngere Mädchen wichtig. Ehrlich gesagt konnte ich bis vor zwei Jahren mit dem Begriff LGBTQ+ wenig anfangen, habe in meiner kleinen, weißen und heterosexuellen Dorf Bubble gelebt und recht wenig Verständnis für alles was über homosexuell hinaus ging gehabt. Heute sieht das ein wenig anders aus, aber damals hätte mir eine Darstellung wie in How to be a girl wirklich weiter geholfen und mir klar gemacht, dass nichts in Stein gemeißelt und alles fließend ist. Im Nachhinein schäme ich mich fast für meinen Scheuklappen-Blick.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass die Autorin sich nicht nur auf Mädchen versteift, sondern auch darauf eingeht, dass es auch an Jungs gesellschaftliche Erwartungen gibt, die nicht immer leicht zu erfüllen und vor allem totaler Schwachsinn sind. In dem Sinne werden Beispiele und potenzielle Vorbilder angeführt, die eben nicht „typisch Junge“ sind.

Aber auch ein paar beeindruckende Frauen finden natürlich ihre Erwähnung in diesem Buch und zwar am Ende jedes Kapitels. Zum einen werden historische Persönlichkeiten vorgestellt, die häufig Feministinnen waren oder einfach nur aus dem Rollenbild ihrer Zeit fielen. Viele kannte ich dank Good Night Stories for Rebel Girls und Bygone Badass Broads schon, aber spannend sind diese Personen natürlich trotzdem. Außerdem gibt es noch die Kategorie »Girl Crush«, wo Personen vorgestellt werden, die heute leben und inspirierend sein können.

Im zweiten Teil »Mein Körper gehört mir« geht es dann viel um Bilder, die einem vor allem durch Medien und insbesondere auch Social Media vermittelt werden, darüber, wie ein perfektes Mädchen auszusehen hat und wie toxisch es ist, wenn man versucht sich diesem vermeintlichen Ideal anzunähern. Es geht unter anderem auch um Slut Shaming und und inwiefern Mädchen diese nach außen hin leben dürfen, ohne dafür verurteilt zu werden und mit welchen abstrusen Widersprüchen das verbunden ist.

In dem Zusammenhang spricht die Autorin außerdem das Thema Selbstliebe an, was ich gerade in unserer heutigen Konsumgesellschaft echt wichtig finde. Wie gesagt, ich wünsche ich hätte dieses Buch vor ein paar Jahren gehabt. Ich hätte so viel lernen können.

Der dritte Teil »Der Kampf um die Emanzipation« stellt einen kurzen historischen Verlauf dar, präsentiert wieder einige beeindruckende Frauen und spricht vor allem über den Weg zum Frauenwahlrecht und die Einführung der Gleichberechtigung. Etwas das ich aus diesem Kapitel mitgenommen habe, weil ich das immer wieder vergesse, da ich selbst momentan nicht wirklich davon betroffen bin, ist, dass Mann und Frau auf dem Papier zwar gleichberechtigt sind,  die Realität aber anders aussieht. Etwas, das ich mir viel öfter klar machen sollte und das mir ehrlich gesagt im Hinblick auf meinen späteren angestrebten Beruf etwas Angst macht.

Trotzdem war mir dieser geschichtliche Abschnitt fast schon etwas zu lang und ausführlich im Vergleich zum Rest des Buches und ich war froh, als es dann mit dem nächsten Thema weiter ging.

Und damit kommen wir thematisch auch schon zum nächsten Teil, nämlich »Augen auf für kleine und große Ungerechtigkeiten«. Wie der Titel dieses Kapitels vermuten lässt dreht sich hier alles um Alltagssexismus, um Privilegien, von denen man sich gar nicht so recht bewusst ist, dass man sie hat – auch etwas, das ich dieses Jahr gelernt habe -, und auch ein Stück weit um Rassismus und Mobbing. Darum, was man tun und wie man helfen kann, auch, wenn man nicht direkt betroffen ist und besonders wenn man es eben doch ist.

Der abschließende Teil trägt schließlich den Titel »Stand Up, Speak Up!«. Wieder geht es darum, was man eigentlich tun kann um sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren, wie man sich am besten informiert und so weiter. Es wird dazu aufgerufen die eigene Stimme zu nutzen, etwas dagegen zu tun, wenn einem eine Ungerechtigkeit gegen den Strich geht. Was ich gut fand, war, dass auch darauf eingegangen wird, dass dies nicht immer leicht ist, besonders wenn einem solche Ungerechtigkeiten vielleicht durch Lehrer oder Chefs widerfahren, ob bewusst oder unbewusst. Es gibt ein paar Tipps, wie man am besten diskutiert, wie man sachlich bleibt und seine Meinung am besten rüberbringt. Denn als Frau wird einem schließlich ohnehin viel zu schnell vorgehalten man hätte seine Tage und wäre zu emotional oder gar hysterisch. Geschlechterklischees die aufgeräumt werden müssen und so, ne?

Eines meiner Highlights war an dieser Stelle irgendwie, dass die Autorin dazu aufruft sich Vorbilder zu suchen und in dem Zuge auch fiktionale Charaktere vorschlägt, die einem als gutes Beispiel dienen können, allen voran zum Beispiel Hermine Granger oder anscheinend auch Clary Fray aus Cassandra Clares Chroniken der Unterwelt. Ich persönlich denke in dem Hinblick immer an die Spinster-Girls von Holly Bourne, wenn es um Feminismus geht, aber Cassandra Clare ist wohl bekannter.

 


Wie ihr seht: Das Buch versucht wirklich einige Themen in seine rund 150 Seiten zu packen. Viele davon haben mir wirklich gut gefallen und finde ich unglaublich wichtig, andere waren zwar ganz interessant, hätten für mich aber auch kürzer sein können.

Nichtsdestotrotz finde ich macht How to be a girl einen ziemlich guten Job, indem es auf Probleme und Ungerechtigkeiten hinweist und Ideen und Anregungen gibt wie man etwas ändern kann.

 

Autor/in: Julia Korbik 

Seiten: 160

Verlag: Gabriel/ Thienemann-Esslinger Verlag

Sprache: Deutsch 

Wertung: 4 Sterne

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