Rezension || Die Schwestern von Mitford Manor: Gefährliches Spiel – Jessica Fellowes*

Erst vor ein paar Wochen habe ich endlich, endlich den ersten Band über die Schwestern von Mitford Manor gelesen und es hat mir so, so gut gefallen. Die Atmosphäre, die Charaktere, das mysteriöse Element… ich war ziemlich begeistert. Die Rezension dazu findet ihr HIER.

Umso mehr habe ich mich also gefreut, dass ich gar nicht lange auf den zweiten Band warten musste. Ich konnte es gar nicht erwarten die Geschichte um Louisa, Guy und die Mitford Schwestern weiterzulesen und zu erfahren, wie es mit ihnen weitergeht.

Als bei der Geburtstagsfeier von Pamela Mitford einer der Gäste vom nahegelegenen Kirchturm stürzt ist für die Polizei die Schuldige schnell gefunden: das Dienstmädchen Dulcie, das sich kurz zuvor noch mit dem Opfer gestritten hatte. Louisa ist sich allerdings sicher, dass Dulcie es nicht war und stellt auf eigene Faust ein paar Nachforschungen an. Etwas Unterstützung erhält sie dabei wieder von Guy, der mittlerweile bei der Polizei ist und eigentlich einen ganz anderen spannenden Fall verfolgt. Alice Diamond und ihre Diebesbande machen seit einiger Zeit London unsicher und Guy ist fest entschlossen, dass er und seine neue Partnerin Mary Moon es schaffen Alice das Handwerk zu legen.

So sehr ich mich auch auf den zweiten Band um die Mitford Schwestern gefreut hatte, so muss ich doch sagen, dass mir der erste etwas besser gefallen hat. Ich bin mir nicht sicher ob das wirklich an dem Buch lag oder ob ich einfach nicht in der Stimmung dafür war, aber irgendwie habe ich mittendrin ein wenig die Lust am Lesen verloren und war nicht so gefesselt wie beim ersten Teil.

Nichtsdestotrotz war es richtig schön nach London und Mitford Manor zurückzukehren. Dieses Mal steht neben Nancy auch ihre jüngere Schwester Pamela ein wenig mehr im Vordergrund, die restlichen Mitford Kinder bleiben aber auch dieses Mal wieder recht blass. Gerne hätte ich noch ein wenig mehr über die Mitfords und ihr Leben erfahren, allerdings lag der Handlungsort dieses Mal gefühlt mehr in London und weniger auf Mitford Manor, was ich nicht unbedingt schade fand, denn ich mochte die Szenen in London, aber ich hätte eben irgendwie gerne auch noch mehr von Mitford Manor erlebt, aber das ist ja Geschmacksache und demnach irgendwie auch kein so wirklicher Kritikpunkt.


Schon im ersten Band ist der gesellschaftliche Unterschied zwischen Louisa und den Mitfords deutlich geworden, dieses Mal stach er allerdings noch mehr hervor, was ich sehr spannend fand. Wird die Beziehung zwischen Nancy und Louisa im ersten Teil noch als Freundschaft dargestellt – was ich da schon fragwürdig fand, so wie Nancy sich teilweise verhält – so wird in »Gefährliches Spiel« noch deutlicher, dass Louisa und die Mitford Mädchen sehr unterschiedlich sind. Insbesondere wenn Freunde der Mitfords anwesend sind wird deutlich, dass Louisa nicht so wirklich dazugehört und einfach „anders“ ist. Während man im ersten Teil gemerkt hat, dass sie sich durch ihre Anstellung bei den Mitfords verändert und es ihr besser geht, so war Louisa hier an einem Punkt, an dem sie gefühlt auf der Stelle trat. Dabei tat Louisa mir manchmal wirklich leid, auch, wenn ich sie insgesamt gar nicht mal so gerne mag. Woran das liegt kann ich gar nicht festlegen, aber irgendetwas stört mich an ihr. Trotzdem empfand ich sie als Erzählerin nicht als unangenehm, sondern habe ihre Geschichte gespannt verfolgt. Und auch wenn Louisa vielleicht nicht mein Lieblingscharakter ist, so hat sie doch auch viele Eigenschaften, die ich an ihr bewundere. Sie ist sehr selbstständig und in einigen Dingen sehr modern, in anderen weniger. Louisa ist sehr loyal und wenn sie glaubt, dass jemandem Unrecht widerfährt, dann setzt sie sich dafür ein, dass das gerichtet wird und das war etwas, das ich in »Gefährliches Spiel« sehr an Louisa mochte. Sie lässt sich einfach nicht unterkriegen, sondern tut das, was sie für richtig hält.


Wie auch schon im ersten Band liest man aus mehreren Sichten. Zum einen selbstverständlich aus Louisas, aber auch Guy kommt wieder zu Wort und erneut mochte ich die Kapitel aus seiner Sicht am liebsten. Guy ist einfach die Definition eines netten Kerls und mir dadurch einfach sehr ans Herz gewachsen. Mittlerweile ist er bei der Polizei gelandet, hat es dort allerdings ähnlich schwer sich zu behaupten, wovon er sich aber nicht unterkriegen lässt. Diesmal begleitet ihn bei seinen Ermittlungen statt seines Freundes Harry ein neuer Charakter, Mary Moon, die auf dem Polizeirevier ähnlich doll ausgegrenzt wird wie Guy, einfach weil sie eine Frau ist. Die beiden waren ein schönes Duo, auch, wenn ich kurz befürchtet hatte, dass sich eine Dreiecksgeschichte zwischen Mary, Louisa und Guy entwickeln würde. Diese Sorge war allerdings unbegründet, zumal der Fokus wieder auf allem was sonst so vor sich ging lag und nicht auf der Liebesgeschichte, was ich gut fand. Auch, wenn ich gleichzeitig gerne mehr von Guy und Louisa gesehen hätte, immerhin wurde im ersten Band schon so viel angedeutet und ich war fast schon irritiert, dass nichts aus den beiden geworden ist, sondern sie immer noch umeinander herum tanzen.


Was die Handlung angeht war ich überrascht wie die Autorin am Ende alle Handlungsstränge hat zusammenfließen lassen. Während des Lesens habe ich mich immer wieder gefragt, wie Alice Diamond und ihre Diebesbande und der Todesfall in Mitford Manor zusammenhängen und es hat wieder richtig Spaß gemacht langsam die Zusammenhänge gemeinsam mit Louisa und Guy herausarbeiten zu können.

Letztendlich kann ich gar nicht wirklich festlegen, weshalb ich den zweiten Band um die Schwestern von Mitford Manor als schwächer als den ersten empfunden habe, denn objektiv gesehen hat er nichts falsch gemacht und doch sagt mein Gefühl etwas anderes. Ich glaube ich habe die beiden Bücher einfach zu schnell hintereinander weg gelesen und war bereits etwas übersättigt vom ersten Band. Vielleicht hätte ich mir mit dem zweiten Teil etwas mehr Zeit lassen sollen, statt ihn sofort zu verschlingen, aber das kann ich jetzt nicht mehr ändern.

Wer den ersten Band mochte, der wird auch an »Gefährliches Spiel« seine Freude haben. Hauptsächlich trifft man altbekannte Charaktere, aber auch ein paar neue Gesichter tauchen auf, von denen ich im nächsten Band gerne mehr sehen würde, denn besonders Mary Moon ist mir ans Herz gewachsen und natürlich würde ich mir endlich ein Happy End für Guy und Louisa wünschen, aber das wird man dann sehen. Der Mordfall war wieder spannend und hat mich an einigen Stellen überraschen können, was schön war und ja auch nicht selbstverständlich. Ich für meinen Teil freue mich schon auf weitere Werke aus Jessica Fellowes Feder, einfach weil die Atmosphäre in ihren Büchern so schön ist.


Autor/in: Jessica Fellowes
Seiten: 464
Verlag: Pendo
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Bright Young Dead
Übersetzung: Andrea Brandl
Reihe: 2/3
Wertung: 3 Sterne

*Vielen Dank an Netgalley und den Pendo Verlag für das Rezensionsexemplar!

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