Rezension || My Lovely Wife – Samantha Downing

In letzter Zeit bin ich wieder total in der Stimmung für Krimis und Thriller, weshalb ich mich riesig gefreut hatte, als ich gesehen habe, dass es das eBook von »My Lovely Wife« sehr erschwinglich beim großen A gab. Das Buch hatte ich schon etwas länger auf der Wunschliste und obwohl ich recht durchwachsene Meinungen zu »My Lovely Wife« gelesen habe, habe ich irgendwie nicht damit gerechnet, dass mir dieses Buch nicht gefallen könnte, aber im Nachhinein ist man ja immer schlauer. Wenn ihr das Buch noch nicht kennt solltet ihr die Spoiler besser nicht ausklappen, denn da plappere ich dann einfach hemmungslos drauf los und verrate so ziemlich, naja, alles. Hiermit seit ihr gewarnt. Den Rest der Rezension versuche ich so spoilerfrei wie möglich zu halten.

Ich weiß wirklich nicht wie man dieses Buch am besten zusammenfasst, deshalb hier der offizielle Klappentext:
Every marriage has secrets. Everyone has flaws. Your wife isn’t perfect – you know that – but then again nor are you. But now a serial killer is on the loose in your small town, preying on young women. Fear is driving your well-behaved young daughter off the rails, and you find yourself in bed late at night, looking at the woman who lies asleep beside you. Because you thought you knew the worst about her. The truth is you know nothing at all that.

Die Sache ist die: »My Lovely Wife« war kein schlechtes Buch per se. Es hat stark angefangen und dann leider stark nachgelassen.

Nach dem ersten Kapitel war ich angefixt, wusste nicht so genau was mich erwartet und war einfach nur gespannt, was für verstörende Dinge wohl passieren. Denn genau darum liest man Thriller doch, nicht wahr? Man möchte ein bisschen schockiert werden. So geht es mir zumindest. Jedenfalls will ich überrascht werden. Wenn es bei einem Thriller nicht mindestens einen »Was zur Hölle?«-Moment gibt läuft für mich etwas falsch. Und genau das war es, was mir letztendlich bei »My Lovely Wife gefehlt hat.

Ich habe ein wenig gebraucht um in die Geschichte reinzukommen und mich an die Erzählweise zu gewöhnen, mochte diese schließlich aber sehr. Erzählt wird aus der Sicht des Ehemannes, dessen Namen man das ganze Buch über nicht erfährt. Dabei sind weder Millicent, noch unser Erzähler, sonderlich sympathische Charaktere. Aber das habe ich auch gar nicht erwartet, immerhin weiß man im Vorfeld, dass die beiden ein eher ungewöhnliches »Hobby« haben. Spannend fand ich dabei zu sehen, wie die beiden überhaupt da hinein gerutscht sind, immerhin kommt man ja nicht einfach so drauf mit seinem Ehepartner zusammen Leute umzubringen. Die Charaktere und ihre Hintergründe waren jedenfalls gut ausgearbeitet und nachvollziehbar, auch, wenn gerade Millicent mir zu undurchsichtig war. Beziehungsweise nicht unbedingt undurchsichtig, aber sie war recht verschlossen und das gegenüber ihrem Ehemann, aus dessen Sicht wir nun mal lesen und damit wären wir dann auch bei meinem größten Problem an diesem Buch:
Es hätte so viel gelöst/vermieden werden können, wenn der Ehemann einfach mal den Mund aufgemacht und nachgehakt hätte, anstatt immer alle ausweichenden Antworten hinzunehmen, die Millicent ihm gibt.

Spoiler
Ich meine, jetzt mal im Ernst? Die beiden bringen zusammen Frauen um, während der Ehemann den Lockvogel darstellt und die Frauen aussucht macht Millicent quasi den Rest. Und wenn er nachfragt wo die Frau die sie entführt haben ist, was Millicent mit ihr macht, ob sie überhaupt noch lebt gibt sie ihm keine Antworten auf irgendwas und er nimmt das einfach so hin? Warum? Ich meine… argh. Es ist einfach so frustrierend gewesen, dass man von Anfang an merkt, dass Millicent etwas zu verbergen hat und ein falsches Spiel spielt und der Ehemann merkt das einfach nicht, sondern nimmt alles einfach so hin. Er misstraut ihr auf gewisse Weise, denn sonst hätte er keinen Sender unter ihr Auto geklemmt, womit er schauen kann wo sie ist und trotzdem wundert es ihn am Ende, wenn sie ihn hintergeht? Seriously? Ich hasse es wenn man beim Lesen das Gefühl hat der Erzähler hat ein Brett vorm Kopf. Man merkt von Anfang an wer das Sagen in der Beziehung hat. Es wird immer wieder darauf hingewiesen was für ein kontrollierender und planender Mensch Millicent ist, gerade auch im Bezug auf die Kinder der beiden. Und dann soll ich mich als Leser darüber wundern, dass sie sich am Ende als hinterhältig und berechnend herausstellt und ihren Ehemann hintergeht, indem sie ihm alles anhängt?

Allgemein wurden das Buch über sehr, sehr viele nicht sonderlich subtile Hinweise gestreut, worauf das Ganze hinaus laufen wird. Der sogenannte und oft gefeierte »Plot Twist« am Ende war die reinste Enttäuschung. Ich habe mir alles, wirklich alles, was am Ende passiert, ab ungefähr der Hälfte denken können. Lediglich der Epilog gibt noch einmal eine etwas andere Richtung vor, aber tja, leider ergibt das herzliche wenig Sinn? Das war in mehrerlei Hinsicht sehr unzufriedenstellend.

Spoiler
Was soll einem das Ende sagen? Macht der Ehemann jetzt ohne Millicent alleine weiter? Warum? Das ist einfach unlogisch. Die Frauen umzubringen war etwas, das er mit Millicent zusammen gemacht hat, beziehungsweise hat er ohnehin nur einmal jemanden im Affekt umgebracht. Wie kommen wir also von er sucht die Frauen aus und sie macht die ganze Arbeit zu er macht alleine weiter? Das ganze wäre sinniger gewesen, wenn man nicht aus der Ich-Perspektive des Ehemannes gelesen hätte, denn dann hätte ich vielleicht an seiner Darstellung Millicents zweifeln können, da man dann auch nicht alles über ihn wissen würde, aber da man eben aus der Ich-Perspektive liest weiß man über alles was er tut Bescheid UND DAS PASST SO EINFACH NICHT, VERDAMMTE AXT. Wisst ihr was ich meine? Durch die Ich-Perspektive wird einem die Möglichkeit genommen, dass noch ein Twist drin steckt, dass er vielleicht von vornherein der super böse war und so weiter. Aber so? Nicht, wenn ich aus seiner Sicht lese und alles weiß was passiert. Ich hoffe ihr versteht was ich meine. Außerdem finde ich es super unfair, dass er davon kommt, obwohl er zumindest Mittäter war und seine Frau umgebracht hat. Notwehr war das am Ende nämlich nicht mehr.

Ihr merkt also, ich bin kein sonderlich großer Fan von diesem Buch. Ich habe mir einfach mehr davon erhofft. Ich fand es super spannend, solange ich damit gerechnet habe, dass bald etwas passiert, das mich schockiert zurücklässt. Aber dieser Punkt kam und kam einfach nicht. Und dann blättere ich die letzte Seite um und fühle mich irgendwie… verraten. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Ich wollte überrascht werden, mich vielleicht ein bisschen gruseln, keine Ahnung. Aber ich wollte nicht alles was passiert schon etliche Seiten im Voraus erahnen können, nur, damit meine Vermutungen allesamt bestätigt werden. Das kann manchmal ein schönes Gefühl sein, wenn zu dem befriedigenden Gefühl Hinweise richtig interpretiert zu haben trotzdem noch eine Überraschung kommt, aber die fehlte hier und das fand ich einfach nur doof.

Damit will ich nicht sagen, dass die Autorin nicht gut schreiben kann. Wie gesagt mochte ich ziemlich gerne wie das Buch erzählt wurde und durch die kurzen Kapitel musste ich immer weiter und weiter und weiter lesen und konnte »My Lovely Wife« kaum aus der Hand legen. Ich war unfassbar gespannt. Und dann nur noch enttäuscht. Was ich jetzt glaube ich oft genug gesagt habe.

Mein Buch war »My Lovely Wife« leider nicht. Es wurde zu viel zu früh angedeutet. Das Ende war zwar krass, aber vorhersehbar und der Epilog ergibt für mich leider keinen Sinn. Den Erzähler fand ich doof, aus Gründen (die in den Spoilern stehen). Lediglich den Schreibstil, wie das Buch erzählt wurde, fand ich letztendlich toll. Also eigentlich hatte ich nur Probleme mit dem Ende, welches quasi das ganze Buch für mich ruiniert hat. Ist manchmal so, ärgert mich aber irgendwie dennoch, weil ich mich so auf dieses Buch gefreut hatte. Auf dass der nächste Thriller besser wird.


Autor/in: Samantha Downing
Seiten: 377
Verlag: Penguin
Sprache: Englisch
Reihe: –
Wertung: 2,5 Sterne

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