Rezension || Daisy Jones and the Six – Taylor Jenkins Reid

Vielleicht hat der ein oder andere ja schon hier oder auf Instagram mitbekommen, dass ich dieses Buch liebe. Sehr. Nicht umsonst habe ich es schon zwei Mal gelesen, seit es im März erschienen ist.

Vorweg: Ich glaube entweder hasst man dieses Buch oder man liebt es. Entweder gefällt einem das Interview-Format, oder eben nicht. Mir hat es sehr gut gefallen, aber ich kann durchaus nachvollziehen, warum Leute das Buch nicht mögen insbesondere wenn sie nur das Buch lesen und nicht das Hörbuch hören. Ich habe erst das Hörbuch gehört und dann nochmal das Buch gelesen, weil es mir eben so gut gefallen hat, aber ich kann mir gut vorstellen, dass man bei weitem keinen so guten Zugang zu den Charakteren bekommt, wenn man sie nicht ihre Geschichte erzählen hört. Wenn ihr also die Möglichkeit habt das Hörbuch zu hören, dann kann ich euch nur ans Herz legen das zu tun. Das beste Leseerlebnis hat man aber glaube ich tatsächlich, wenn man parallel das Buch liest und das Hörbuch dabei hört, so habe ich es teilweise beim zweiten Lesen gehalten.

Ganz grob gesagt geht es in »Daisy Jones and The Six« um den Aufstieg und Fall einer fiktiven Rockband während der 70er Jahre. Im Fokus stehen dabei Daisy Jones und Billy Dunne, der Frontman von The Six, die eine… schwierige Beziehung verbindet, der man in diesem Buch ein wenig auf den Grund geht.

Und wenn ihr jetzt denkt, dass ihr mit Rock oder den 70er Jahren nicht viel am Hut habt, dann lasst euch davon nicht abschrecken, denn das habe ich auch nicht, aber in »Daisy Jones and The Six« steckt so viel mehr.
Es ist wirklich nicht so leicht dieses Buch zu beschreiben ohne zu viel zu sagen, aber wenn ihr vielschichtige Charaktere mögt und Geschichten, die weniger auf Plot, sondern mehr auf Charaktere ausgelegt sind, dann könnte die Story Daisy Jones was für euch sein.

We love broken, beautiful people. And it doesn’t get more obviously broken and classically beautiful than Daisy Jones.

Daisy Jones and the Six, Taylor Jenkins Reid (S. 8)

Dieses Zitat beschreibt Daisy Jones und irgendwie auch die ganze Geschichte schon einmal ziemlich gut.
Wie gesagt passiert in diesem Buch eher weniger, viel mehr geht es um Daisy und die verschiedenen Bandmitglieder und wie alle ihre Karriere, also den Aufstieg und das sehr abrupte Ende der Band erlebt haben.
Dreh- und Angelpunkt sind dabei immer wieder Daisy und Billy, die beide sehr… intensive Charaktere sind. Beide sind sehr willensstark, haben aber ihre Schwächen, geben nicht gerne nach und haben ihre Päckchen zu tragen.

Ein Präsentes Thema in diesem Buch ist der Missbrauch von Drogen. Der Spruch »Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll« ist hier quasi Programm.
Daisy und Billy haben beide ein Suchtproblem, gehen aber auf ganz unterschiedliche Arten damit um, was einer der Gründe für die angespannte Beziehung zwischen den beiden ist.

Was ich an Taylor Jenkins Reids Charakteren dabei besonders mag, ist, dass sie nicht unbedingt likeable sind. Es gibt viele Momente in denen weder Billy noch Daisy unbedingt mochte, aber in denen umso mehr durchkommt, dass sie nur Menschen sind und dadurch kamen sie mir umso echter vor.
Hier werden so viele komplexe Beziehungen angesprochen haben, ich habe trotz, dass man die Charaktere nur reden hört/liest und nicht wirklich in ihrem Kopf steckt, so mitgefühlt, nicht nur mit Daisy und Billy, sondern besonders gerne mochte ich hier auch Karen.

Ich fand toll, wie in diesem Buch durchkam, dass nicht jeder das Gleiche vom Leben möchte, die Autorin spricht hier mehrere Themen an, die ich toll fand. Aber eben auch wie kompliziert Beziehungen sein können und dass nicht alles für jeden funktioniert und jeder etwas anderes braucht und hach. Besonders spannend fand ich in der Hinsicht die Beziehung zwischen Billy und seiner Frau Camila, die nicht war was ich erwartet habe, aber Gott, ich liebe Camila auf eine gewisse Art. Wie auch die anderen Charaktere hat sie ihre Fehler, aber sie ist so eine starke Frau und das war es was ich an diesem Buch mit am meisten mochte, ich habe das Gefühl am Ende wurde uns neben dem doch recht männerlästigen Cast der Band drei tolle und sehr unterschiedliche Frauen gezeigt, die alle auf ihre Art stark waren. Und, was ich auch toll fand, war, dass es nicht nur um Liebesbeziehungen ging, sondern auch viel um Freundschaft, weil Freunde manchmal genauso wichtig sein können wie der Partner oder sogar wichtiger.

Camila: I think you have to have faith in people before they earn it. Otherwise it’s not faith, right?

Daisy Jones and The Six, Taylor Jenkins Reid (S. 76)

Was dieses Buch für mich so besonders macht, ist, dass es mir weder beim Lesen noch hören vorkam als würde ich über fiktive Charaktere lesen. Taylor Jenkins Reid hat ein Talent dafür ihre Charaktere so zu schreiben, dass man nach dem Beenden des Buches das Bedürfnis hat zu googeln ob es diese Personen nicht wirklich gibt. So ging es mir schon bei Evelyn Hugo und so ging es mir auch bei Daisy Jones und The Six. Die Band fühlt sich so real an und ich steckte so drin in dieser Geschichte, dass es mir fast absurd vorkommt, dass es nicht tatsächlich Musik zu den Lyrics gibt und man nie einen Song von denen gehört hat.

Ganz zu Beginn schon bekommt man gesagt, dass die Wahrheit dieser Geschichte irgendwo in der Mitte liegt, man also praktisch keinem Charakter hundertprozentig trauen kann.
Man mag von dem Interviewformat halten was man will, aber ich für meinen Teil fand es absolut genial zu lesen wie Taylor Jenkins Reid damit gespielt hat. Es war so interessant zu lesen wie unterschiedlich einige Bandmitglieder Situationen aufgefasst haben, wie Personen ein Ereignis so anders erzählt, dass man nicht weiß wem man glauben soll. Liegt es daran, dass sie sich wirklich unterschiedlich daran erinnern oder an dem Interviewer? Wer das ist erfährt man nämlich erst am Ende und das ändert den Blick auf vieles, was ein Charakter gesagt hat, enorm. Das war auch einer der Gründe, weshalb ich dieses Buch unbedingt ein zweites Mal lesen wollte, beim zweiten Lesen ergeben viele Dinge einfach noch mehr Sinn.

Spoiler
Und jetzt kommen wir zu dem spannenden Teil: Dem Ende. Wundert es irgendjemanden, wenn ich sage, dass ich die letzten, keine Ahnung, dreißig Seiten oder so, geheult habe wie ein Schlosshund? Das Ende war so dramatisch, aber auch so gut. Ich liebe, dass es kein Happy End per se war. Diese letzten Szenen im Chicago Stadium? Als Daisy das Lied anders singt? Huh. Und das Gespräch zwischen ihr und Camila? Ich liebe die beiden. Aber auch die Szene in der Hotelbar mit Billy. Diese letzten Szenen waren so emotional, weil man regelrecht dabei zusehen konnte, wie alles auseinander fiel und Gott, das tat irgendwie weh zu lesen, aber es war eben auch das, worauf man die ganze Zeit gewartet hat, dieser Tropfen der das Fass zum Überlaufen bringt und dann diese E-Mail ganz am Ende von Camila. Wow. Ich liebe solche Enden, die einem Hoffnung lassen, aber die gleichzeitig offen sind. Absolut genial. Und ich entschuldige mich für diese viel zu langen Sätze mit zu vielen Wörtern, aber dieses Ende hat mich echt fertig gemacht, auch beim zweiten Mal. Die Charaktere lassen mich einfach super emotional werden und dafür liebe ich dieses Buch.

That was the beginning of a bad time. Where I was not myself. Actually, no. I don’t like putting it that way – you’re never not yourself. You’re always you. It’s just, sometimes, who you are… who you are is a shitty person.

Daisy Jones and The Six, Taylor Jenkins Reid (S. 62)

Ich glaube ich muss nicht noch einmal sagen, wie sehr ich dieses Buch liebe. Die Charaktere sind mir einfach unfassbar ans Herz gewachsen, ich habe so mit ihnen mitgelitten und das Beste für sie gehofft und ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht bei den zwei Malen bleiben wird, die ich das Buch jetzt schon gelesen habe. Die Geschichte lässt so viel Raum für Interpretation, um Neues zu entdecken, wenn man sie nochmal liest und ich finde das einfach grandios.

Nachdem ich das Hörbuch beendet hatte war ich mir noch nicht sicher, nach dem Lesen aber sehr wohl: »Daisy Jones and The Six« ist eines meiner Lieblingsbücher. Ein Monats- und Jahreshighlight sowieso, aber diese Geschichte ist mir einfach so sehr ans Herz gewachsen, dass ich nicht anders kann, als sie als Lieblingsbuch zu bezeichnen.


Autor/in: Taylor Jenkins Reid
Seiten: 368
Verlag: Ballantine Books
Sprache: Englisch
Reihe: –
Wertung: 5 Sterne

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