Filmkritik || Mortal Engines

Normalerweise hält meine Meinung zu Filmen sich in Grenzen, was daran liegt, dass ich von Filmen nicht viel Ahnung habe. Ja, ich gucke sie gerne, aber irgendwie fühle ich mich nicht qualifiziert genug um auf meinem Blog darüber zu sprechen.

Und dann kam »Mortal Engines«. Ich hatte mich wirklich auf diesen Film gefreut, da ich im Vorfeld zu dem Buch einige positive Meinungen vernommen habe und auch der Trailer ziemlich gut aussah. Einen Tag bevor ich ins Kino gegangen bin habe ich mit meiner Kinobegleitung noch gespaßt, dass wir noch keinen so richtig schlechten Film im Kino gesehen haben. Tja, ein wenig habe ich das Gefühl es dadurch herauf beschworen zu haben, denn »Mortal Engines« ist tatsächlich einer der schlechtesten Filme, die ich seit langem gesehen habe.

Zunächst habe ich vermutet, dass ich den Film nicht so toll fand, weil er mit meinen Erwartungen nicht überein stimmte, aber schließlich ging es meiner Kinobegleitung genauso, die keinerlei Erwartungen an den Film und nicht einmal den Trailer gesehen hatte. Daran kann es also nicht nur gelegen habe, obwohl das Auseinanderfallen von Erwartungen und Film sicherlich auch eine Rolle spielt. Aber erstmal:

Hester Shaw will sich für den Tod ihrer Eltern an Thaddeus Valentine, dem obersten Historiker von London, rächen – allerdings geht ihr Attentat schief. Zusammen mit Tom, den Valentine für seine Rettung alles andere als dankbar entgegen kommt, ist sie fortan auf der Flucht und sucht einen Weg dennoch Rache üben zu können, ehe Valentine seine Pläne, welche die anderen Städte bedrohen, umsetzen kann.

Die Welt

Im Trailer fand ich das Konzept der mobilen Städte wahnsinnig cool und aufregend, während des Filmguckens war ich hauptsächlich verwirrt. Ich hatte das Gefühl es wurde vorausgesetzt, dass man die Welt bereits kennt und weiß wie alles funktioniert. Es wurde mit Begriffen und Technologien um sich geschmissen, die mich mit einem Fragezeichen zurück ließen. Ich hatte vermutet, dass ich den Film besser verstehen würde, wenn ich das Buch gelesen hätte, habe mir aber sagen lassen, dass das Buch in der Hinsicht sehr ähnlich ist. Von daher…

Besonders irritiert war ich von Shrike, einem Wesen, das zunächst immer nur als letzter seiner Art betitelt wird. Aber letzter von was bitte schön? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was er genau ist, weil es nicht so wirklich beschrieben wurde. Es wurden hier und da ein paar Andeutungen gemacht, Bezeichnungen in den Raum geschmissen, aber so wirklich schlau bin ich nicht draus geworden.

Das Konzept der Städte ist wirklich spannend, aber man sieht einfach zu wenig davon. Die Szenerie ist quasi auf London beschränkt, das Steampunk Charakter hat, während ein kleines bayrisches Dorf aussah als käme es aus dem Mittelalter. Wieso so ein unterschiedlicher Stand der Technik und Zeit? Keiner sagt es einem. Zwar wird ein 60-Minuten-Krieg erwähnt, aber wie ist man von dem Ereignis zu der jetzigen Lage gekommen? Was ist der Hintergrund?

Zudem hätte ich mir gewünscht noch mehr von den verschiedenen Städten und der ganzen Welt allgemein zu sehen. Während Valentine in London ist und dort sein Unwesen treibt begleitet man Hester und Tom auf ihrer Flucht. Man sieht ein wenig etwas von der Welt, was ganz cool war, es aber für mich auch nicht rausgerissen hat, denn damit komme ich zu meinem nächsten großen Kritikpunkt:

Die Charaktere

Was die Charaktere angeht habe ich ein ähnliches Problem wie mit dem Weltenbau, denn sie blieben ähnlich flach. Was sind ihre Motive? Warum soll ich sie mögen? Ich weiß es nicht. Dazu kommt, dass die Dialoge meiner Meinung nach teilweise ziemlich flach waren.

Besonders von Hester hatte ich erwartet, dass sie ein starker Charakter ist, jemand, der sein Ziel verfolgt, was auch immer geschieht – aber dann lässt sie sich immer wieder von Tom aufhalten. Ich muss gestehen, ich fand sie, wenn man ihre Vergangenheit betrachtet, beinahe etwas zu umgänglich. Wobei man auch sagen könnte, dass sie sich genau deshalb nach menschlicher Gesellschaft sehnt. Jedenfalls war Hester nicht einmal annähernd das, was ich mir von ihr erhofft hatte.

Mein unliebster Charakter war Hester allerdings dann auch nicht, denn diesen Titel hat Tom bekommen. Der hat mich so ziemlich am meisten genervt. Anfangs noch vollkommen überzeugt vom Konzept der mobilen Städte und ein großer Fan von Valentine lässt er sich dann doch ziemlich schnell von Hester mitreißen, wobei er sie wie gesagt gefühlt nur aufhält. Ich hatte nicht das Gefühl, dass er ein sonderlich wichtiger Charakter war, zumindest war er niemand, der die Handlung voran getrieben hat. Er war einfach nur da und hat mehr Probleme gemacht als gelöst.

Allgemein fand ich den Umschwung einiger Charaktere etwas fragwürdig, insbesondere von Katherine, Valentines Tochter. In einem Moment steht sie hinter ihrem Vater, glaubt daran, dass er kein schlechter Mensch ist und in der nächsten Szene kommen Sätze wie »Er ist nicht länger mein Vater«. Dazwischen lag ein einziges Ereignis. Ja, ein einschneidendes Ereignis für Katherine, welches das Bild das sie von ihrem Vater hat auf den Kopf stellt, aber trotzdem ging es mir einfach zu schnell.

Dasselbe mit Shrike, der viel zu kurz kam. Sein Charakter wurde eingeführt, er macht Jagd auf Hester, die ihn aus irgendeinem Grund nicht umbringen will. Es kommt ein wenig Hintergrundgeschichte und bevor man diese wirklich verarbeiten kann war es das auch schon wieder. Es wurde erwartet, dass ein Moment alles erklärt und man das so hinnimmt, aber dieser eine Moment hat eben nicht gereicht. Dieser Handlungsstrang war einfach zu knapp.

Die Handlung

Der Untertitel »Krieg der Städte« vermittelt etwas ganz anderes, als das, was der Film einem letztendlich liefert. Man sieht im Film drei mobile Städte, wobei eine gleich zu Beginn platt gemacht wird und ich würde sagen, dass dies noch die spannendste Szene im ganzen Film für mich war. Das war es, was ich mir von »Mortal Engines« versprochen habe. Ein Krieg zwischen den einzelnen Städten. Stattdessen spielt sich ein Großteil des Filmes in London ab oder man verfolgt Hester und Tom auf ihrer Flucht.

Aber gut, auch abgesehen von den Erwartungen fand ich die Handlung nicht weniger flach als den Weltenbau und die Charaktere. Während die Anfangsszene sich etwas hinzog, Spannung schuf und als Einstieg vieles richtig gemacht hat, so ging es danach für mich nur noch bergab. Es wurde einfach versucht zu viel Handlung in zu wenig Zeit zu quetschen. Wir springen zwischen den Perspektiven, Dinge passieren ohne große Erklärungen und Hintergrund. So konnte ich das was passiert ist nicht wirklich genießen.

Dazu kommt, dass alles unfassbar vorhersehbar war. Und ich meine alles. Keiner der Plot Twists war überraschend, man wusste jedes Mal im voraus was passieren würde.

Oh wow. Obwohl ich wusste, dass das hier alles andere als eine positive Kritik wird bin ich gerade fast überrascht, dass mir so gar nichts positives an dem Film aufgefallen ist. Ups?

Ursprünglich hatte ich vor das Buch zu lesen, nachdem ich den Film gesehen habe. Das werde ich mir jetzt allerdings sparen, denke ich. Ja, ein Film ist ein anderes Medium als ein Buch, aber ich habe jetzt schon mehrfach gehört, dass man in dem Buch genauso unwissend herumtappt wie im Film. Von daher werde ich mir diese Geschichte denke ich nicht antun, außer vielleicht als Hörbuch, denn der deutsche Sprecher soll ja einen guten Job gemacht haben und das kann einiges herausreißen, wie ich finde. Dennoch: Ich war mehr als enttäuscht von dem Film und bloß froh an einem Tag ins Kino gegangen zu sein, an dem es nicht ganz so teuer war. Die 10€ hätte ich mir allerdings trotzdem lieber gespart.

Wie fandet ihr den Film/das Buch, wenn ihr ihn gesehen/es gelesen habt? Oder wollt ihr ihn noch sehen?

2 thoughts on “Filmkritik || Mortal Engines

  1. Liebe Katharina,
    ich stimme dir in allen Punkten zu. Ich finde, »Mortal Engines« ist ein fantastischer Film für einen faulen Sonntag, an dem man sich mit Decke auf die Couch kuschelt, den Film anmacht und es überhaupt nicht schlimm ist, wenn man dabei einschläft.
    Weshalb Hester von allen so gefeiert wird, ist mir auch nicht klar. Ich finde sie auch seltsam und kann ihr nichts abgewinnen. Zu Tom hatte ich dir, wenn ich mich richtig erinnere, schon auf Twitter meine Meinung gesagt. Ich habe in ihm leider nämlich nur Nathan aus der Serie Misfits gesehen und konnte Tom vorne und hinten nicht ernst nehmen. Gleichzeitig passt Nathan in gewisser Weise aber auch zu Tom, da Nathan auch alles aufhält 😀 Ach, ich weiß auch nicht.
    Ich habe den Film mit meinem Freund an einem Sonntag im Kino geguckt und es war schön, dass wir dadurch nochmal rausgekommen sind und eine Datenacht hatten… Ein weiteres Mal muss ich den Film aber auch nicht gucken. Vor allem da das, was du schreibst, meine Meinung exakt widerspiegelt. Da gibt es einfach viel schönere Filme.
    Alles Liebe,
    Janika

    1. Liebe Janika,
      Jaaa, Hester ist mir wirklich ein Rätsel. Und ich verbinde den Schauspieler von Tom immer mit Simon aus City of Bones, aber auch da hält er ja meist das Geschehen eher auf anfangs 😀

      Alles Liebe,
      Katharina

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