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Rezension || Are We All Lemmings and Snowflakes? – Holly Bourne

Eigentlich war diese Rezension schon fast geschrieben, bis ich gemerkt habe, dass ich totalen Mist erzĂ€hlte. Was ihr jetzt lest ist also bereits mein zweiter Versuch dieses Buch in Worte zu fassen. UrsprĂŒnglich wollte ich damit anfangen, dass Are We All Lemmings and Snowflakes? mir gar nicht so gut gefallen hat. Im Vergleich zu Holly Bournes anderen BĂŒchern, die ich grĂ¶ĂŸtenteils liebe, fand ich dieses zwar von der Thematik spannend, aber irgendetwas hat mich daran gestört und es hat lange gedauert, bis ich darauf gekommen bin, was das war.

 

Aber bevor ich mich schon jetzt in AusfĂŒhrungen zu dem Buch verliere:

 

Willkommen in Camp Reset, einem Sommercamp, das nicht ganz das ist, was man sich unter einem Sommercamp vorstellt. Vielmehr ist es eine Einrichtung, die fĂŒr Olive die Möglichkeit bietet „besser zu werden“. Nach einem Aussetzer steht sie vor der Entscheidung: Medikamente nehmen oder in Camp Reset versuchen einen Monat lang unter Menschen mit Ă€hnlichen „Problemen“ die Kurve zu kriegen? Denn Olive will unbedingt die Kurve kriegen. Aber je lĂ€nger sie in Camp Reset ist, desto mehr fragt sie sich, ob wirklich sie das Problem ist oder vielmehr die Welt. Warum sollte sie sich Ă€ndern und nicht die Welt, die ihrem Kopf all diese Probleme bereitet? Und so heckt sie einen Plan aus.

 

Wie man an meiner stĂŒmpferhaften Beschreibung unschwer erkennen kann dreht sich Are We All Lemmings and Snowflakes? viel um mental health und Olives Krankheit.

Ich habe im Vorfeld nicht so wirklich gewusst, worauf ich mich mit diesem Buch einlasse, denn ich habe es einfach aus einem Impuls heraus gekauft, als ich es in der Buchhandlung entdeckt habe, denn hey, es ist von Holly Bourne. Es musste also gut sein, nicht wahr?

 

Und das ist es. Ich habe im Vorfeld mehrmals gesagt, dass mir Are We All Lemmings and Snowflakes? nicht so gut gefallen hat, aber das muss ich an dieser Stelle revidieren. Denn das hier ist kein Buch, das man einfach mögen kann oder soll (zumindest nicht im herkömmlichen Sinne) und das ist mir erst sehr viel spĂ€ter klar geworden. Ich Ă€ndere nur sehr selten noch einmal meine Meinung zu einem Buch, aber hier war es quasi wie eine Erleuchtung, als ich schließlich den Knackpunkt erkannt habe.

 

 

Bisher war es immer so, dass ich Holly Bournes Protagonistinnen in ihren JugendbĂŒchern sehr mochte. Ich fand sie sympathisch und relatable; ganz besonders Audrey aus It only Happens in the Movies und selbst Evie aus Was ist schon normal?, obwohl ich mit dem Thema Zwangsstörung im Vorfeld nicht viel anfangen konnte.

Und dann kam Olive.

Sie hat es einem nicht leicht gemacht. Wirklich nicht. Es war anstrengend in Olives Kopf zu stecken. So anstrengend. Was genau Olives Diagnose ist weiß man lange Zeit nicht, weil Olive sie nicht wissen möchte und ihre Ärzte das respektieren. Olive geht wĂ€hrend der Geschichte durch ein paar extreme Hochs und Tiefs. Es gibt fĂŒr sie kaum ein dazwischen. Entweder hĂ€lt sie die Welt nicht aus und verkriecht sich, fĂŒhlt gar nichts, oder aber sie sprudelt regelrecht ĂŒber vor Energie. Das pendeln zwischen diesen Extremen war ermĂŒdend zu lesen, man wollte Olive am liebsten schĂŒtteln, ihr sagen, dass sie sich zusammenreißen und verdammt nochmal einfach schlafen gehen soll anstatt sich selbst hochzupushen und genau ist der Knackpunkt: Ich fand Olive nervig und anstrengend. Ich habe nicht gerne aus ihrer Sicht gelesen, fand es anstrengend, war froh, als ich das Buch weglegen und eine Pause haben konnte.

Aber Olive hat keine Pause. Olive steckt die ganze Zeit in ihrem Kopf und kann nichts fĂŒr ihre Hochs und Tiefs. Sie ist genervt von sich selbst; kann sich selbst nicht ausstehen zum Teil. Ihr Kopf arbeitet non stop gegen sie. Sie tut Dinge, von denen sie sich im Nachhinein fragt, warum sie sie getan hat; sie tappt in FettnĂ€pfchen und macht Fehler aus Euphorie oder weil sie anfĂ€ngt wieder in ein Tief zu rutschen, bis sie sich fragt, warum ĂŒberhaupt jemand es mit ihr aushĂ€lt, weil sie ein schlechter Mensch ist.

Und Olives Gedanken kamen mir einfach so irrational vor. Gerade zu Beginn habe ich mich sehr schwer damit getan einen Zugang zu Olive zu finden, konnte hĂ€ufig ihre Handlungen nicht nachvollziehen, was ursprĂŒnglich mein grĂ¶ĂŸter Kritikpunkt war. Jetzt, im Nachhinein, ist mir erst klar geworden wie gut Holly Bourne eigentlich Olives Krankheit portrĂ€tiert. Nun ja, eigentlich vermute ich das nur, mir kommt die Darstellung jedenfalls realitĂ€tsnah vor, allerdings muss ich auch zugeben, dass ich mich mit dem Thema nicht auskenne. Was es eben umso wichtiger macht, dass es behandelt wird.

 

Meinen einzigen wirklichen Kritikpunkt, den ich an Are We All Lemmings and Snowflakes? hatte, habe ich also gerade selbst aus dem Weg gerĂ€umt. Großartig, nicht wahr?

Und ich weiß wie sich das jetzt gerade liest, nicht wie die große Erleuchtung, die ich beim ersten Schreiben der Rezension erfahren habe, sondern eher wie ein „Katharina, ist das nicht irgendwie…naja, offensichtlich?“

Und ja, bis zu einem gewissen Punkt war mir klar, dass Olive krank ist und deshalb so handelt wie sie handelt, aber ich hatte mich so sehr darauf fixiert, dass ich sie trotz allem unsympathisch fand, dass ich vollkommen vergessen habe, dass es darum eigentlich gar nicht geht. Man muss Olive nicht sympathisch finden, um mit ihr mitfĂŒhlen zu können und anzufangen sie ein StĂŒck weit zu verstehen.

 

 

Und da ich meinen Kritikpunkt so schön entkrĂ€ftet habe machen wir mal damit weiter, was mir ursprĂŒnglich schon so gut an dem Buch gefallen hat:

 

Schon im Vorfeld habe ich auf der Twitter-Seite der Autorin hĂ€ufiger #kindnessiscontagious gesehen, konnte zu dem Zeitpunkt aber noch nicht viel mit dem Hashtag und der Aussage an sich anfangen. Allerdings sind diese drei Wörter ganz entscheidend fĂŒr Olives Geschichte; beziehungsweise nicht nur Olives, sondern insbesondere auch fĂŒr die Jugendlichen, die sie in Camp Reset kennenlernt und mit denen sie sich anfreundet. Alle leiden unter verschiedenen Krankheiten, haben verschiedene Probleme und ich hatte mit den meisten ein Ă€hnliches Problem wie mit Olive bis gerade eben.

Holly Bourne vermittelt in Are We All Lemmings & Snowflakes? mit »Kindess is contagious« (also »Freundlichkeit ist ansteckend«) eine wichtig Lektion. Im Klappentext wird bereits die Frage aufgeworfen, warum Olive sich Ă€ndern sollte, wo doch die Welt und das Verhalten von anderen Menschen ist, die es ihr und anderen schwer machen mit ihren Krankheiten umzugehen. Die Lösung, die Olive sich in den Kopf setzt, ist, dass einfach alle freundlicher zueinander sein mĂŒssten. Mehr Akzeptanz und Freundlichkeit in der Welt, damit Leute wie sie und ihre Freunde gar nicht erst so werden, keine anxiety entwickeln. Olive versucht also das Problem beim Schopf zu packen – die Frage ist nur wie? Und hilft mehr Freundlichkeit Olive wirklich?

Um das rauszufinden mĂŒsst ihr das Buch lesen, das werde ich nicht verraten, aber ich finde den Gedanken unglaublich spannend und so wichtig.

 

Obwohl ich es nicht mehr erwartet habe, konnte mich Holly Bournes neustes Werk beinahe genauso ĂŒberzeugen wie seine VorgĂ€nger – wenn auch auf eine andere Art und Weise. Wie wichtig das Buch ist, ist mir erst so viel spĂ€ter im Nachhinein aufgefallen, aber hey, immerhin spĂ€ter als nie oder wie war das?

Ich habe das GefĂŒhl, dass Are We All Lemmings and Snowflakes? ein Buch ist, aus dem man unglaublich viel mitnehmen kann, wenn man möchte. Mir hat es jedenfalls in wenig die Augen geöffnet, durch Olives Geschichte habe ich mich etwas intensiver mit Krankheiten beschĂ€ftigt, habe mir eine Lektion erteilen lassen und zumindest ansatzweise etwas mehr Zugang zu dem Thema erhalten. Holly Bourne hat es also wieder einmal geschafft und ich kann euch das Buch nur ans Herz legen; es ist doch auf seine ganz eigene Art großartig.

 


 

Autor/in: Holly Bourne

Seiten: 397

Verlag: Usborne Publishing 

Sprache: Englisch 

Reihe: /

Wertung: 4/5 Sternen 
(aber auch "nur" 4 Sterne, weil die Messlatte bei Holly Bourne so verdammt 
hoch liegt und ich logischerweise als Vergleich ihre BĂŒcher heranziehe, die ich bereits kenne)

2 thoughts on “Rezension || Are We All Lemmings and Snowflakes? – Holly Bourne

  1. Ich mochte diese Rezension richtig gerne, man hat beim lesen gemerkt, wie sehr dir das Buch am Herzen liegt, bzw. wie beeindruckend es war.
    Ich bin jetzt natĂŒrlich sehr gespannt, was genau Olives Krankheit sein könnte, bin aber auch etwas abgeschreckt von den schwierigen Passagen. Das klingt als könnte das Buch Zeit brauchen und wenn ich eines gerade nicht habe, dann das. 😅
    Holly Bourne wandert auch mit jeder Rezension die ich zu ihren BĂŒchern lese auf meiner gedanklichen Must-Read-Liste weiter nach oben … Vielleicht kann ich wenigstens eines ihrer BĂŒcher noch in diesem Jahr lesen.

    1. Puh, das freut mich 😀 Ich war selbst mit einem Mal so begeistert beim Schreiben der Rezension von dem Buch und dass das rĂŒber kommt ist toll.
      Abgeschreckt sein brauchst du nicht, das Buch liest sich recht zĂŒgig. Ich weiß, dass ich geschrieben habe, dass das Buch anstrengend ist, aber das ist keinesfalls negativ gemeint gewesen 🙂
      Und du solltest unbedingt etwas von Holly Bourne lesen! (Beachte das Ausrufezeichen, es muss also Ernst sein :D) Ich kann dir besonders die Spinster Girls nur empfehlen als Einstieg oder It Only Happens in the Movies, die sind allesamt großartig und etwas lockerer, auch wenn sie spannende Themen behandeln und lassen sich so weglesen, weil du ja meintest fĂŒr AWALAS wĂŒrdest du dir mehr Zeit nehmen wollen 🙂

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