4 Sterne, Fantasy, Rezension, Young Adult

[Rezension] Heart of Thorns – Bree Barton

Heart of Thorns ist eines dieser Bücher, das mir ganz zufällig in die Hände gefallen ist und den Weg in mein Bücherregal gefunden hat, ohne, dass ich jemals davon gehört hatte, da es in der Fairyloot-Juli-Box war. Der Klappentext klang zwar ganz spannend, hat mich aber auch nicht so sehr umgehauen, dass ich es sofort lesen wollte. Und selbst als ich schließlich danach gegriffen hatte, war das eher mit dem Gedanken, dass ich nur mal kurz reinlesen wollte, weil ich unentschlossen war, was ich überhaupt lesen wollte – aber dann hat Heart of Thorns mich plötzlich nicht mehr losgelassen und aus nur reinlesen wurden Tage, in denen ich am liebsten ununterbrochen gelesen hätte, weil ich unbedingt wissen musste wie es weitergeht. Aber kommen wir erst Mal zum Inhalt:


Ihr Leben lang hat Mia eingetrichtert gekriegt, dass Gwyrach gefährliche Dämonen sind, die Herz, Gedanken und Fleisch und Knochen von Menschen mit einer bloßen Berührung kontrollieren können. Jede Frau könnte einer sein, könnte diese schrecklichen Gaben mit sich rumtragen – weshalb im konservativen Königreich Glas Ddir jede Frau Handschuhe tragen muss, zum Schutz vor den Gwyrach. Und Mia will eben diese Wesen jagen, den Gwyrach finden, der ihre Mutter umgebracht hat. Allerdings hat ihr Vater eine andere Zukunft für sie geplant: statt eine Jägerin zu werden soll sie Quin heiraten, den Prinzen von Glas Ddir, dessen kühle Art Mia so gar nicht ausstehen kann. Entschlossen sich ihr Schicksal nicht vorschreiben zu lassen plant Mia ihre Flucht – aber so weit soll es gar nicht erst kommen, denn noch an ihrem Hochzeitstag muss sie auf einmal alles in Frage stellen, an das sie je geglaubt hat.

 

Klingt nach einem 0815-Jugend-Fantasy-Roman? Ja, das fand ich auch. Besonders die ersten Kapitel lang. Wenn ich ehrlich bin, dann war ich zunächst wirklich enttäuscht, denn irgendwie hatte ich gehofft, dass das Ganze nicht ganz so dröge werden würde, wie der Klappentext zunächst vermuten lässt. Die ersten rund fünfzig Seiten hat mich alleine der Schreibstil am Ball gehalten, sonst hätte ich das Buch sicherlich schnell wieder zur Seite gelegt. Allein Aussagen von Mia a la I’m not that kind of girl (etwas, das man im Laufe der Geschichte immer mal wieder über die Protagonistin liest), haben dafür gesorgt, dass ich immer wieder mit den Augen rollen wollte. Mehr Klischee ging nicht, denn schließlich hat man von eben genau dieser Art Mädchen – tough, stark und „kein typisches Mädchen“ – schon so ermüdend oft mit genau dieser Beschreibung gelesen. Nicht noch eine Celeane/Aelin war mein erster Gedanke.

 

Aber irgendetwas hat Bree Barton anscheinend dennoch richtig gemacht, denn ich habe das Buch nicht weggelegt, sondern weitergelesen und ziemlich bald durfte ich feststellen, dass das Durchhalten sich gelohnt hat, denn mit einem Mal hat das Buch eine etwas andere Richtung eingeschlagen. Zwar wurde was Plot Twists und Überraschungen anging nicht das Rad neu erfunden, aber ich habe mich einfach wahnsinnig gut unterhalten gefühlt und einige Dinge erst sehr, sehr kurzfristig kommen sehen. Vielleicht liegt es gerade daran, dass ich besonders den Beginn unglaublich klischeebeladen fand, dass mir der Rest von Heart of Thorns umso besser gefiel, aber Tatsache ist, dass Mias Geschichte mich nach dem ersten Viertel vollkommen gefesselt hat. Ich hatte schon länger nicht mehr das Gefühl ein Buch nicht aus der Hand legen zu können, aber hier war das definitiv der Fall.

 

Es wurmt mich ein wenig, dass ich nicht genau benennen kann, was an Heart of Thorns das Buch für mich letztendlich doch noch so gut gemacht hat, aber es kann letztendlich nur an dem Schreibstil der Autorin liegen, denn weder die Charaktere noch die Handlung sind so besonders, dass sie mich derart mitreißen. Die Länge der Kapitel war für mich genau richtig, eher kurz, aber auch nicht so kurz, dass man das Gefühl hat man wird dauernd aus den Szenen gerissen und auch die Mischung aus Beschreibung und Dialog hat sich einfach stimmig angefühlt.

 

Es wundert mich ehrlich selbst, warum ich Heart of Thorns so gerne mag wie ich es tue, denn letztendlich habe ich doch ein wenig Kritik, auch, wenn diese im Gesamtbild des Buches eher kleinere Punkte sind.

Zum einen fand ich zwar den Schreibstil großartig, hatte gleichzeitig aber teilweise Probleme mit der Erzählperspektive.(Was etwas paradox ist, ich weiß.) Die Geschichte wird aus Mias Sicht in der dritten Person erzählt, hat sich für mich aber häufig wie erste Person gelesen, sodass ich zwischendrin immer mal wieder verwirrt war, weshalb jetzt eben nicht aus der ersten, sondern aus der dritten Person erzählt wird. Meiner Meinung nach hätte es dem Buch gut getan, wenn es direkt aus Mias Sicht erzählt worden wäre, aber was das angeht hat ja jeder andere Vorlieben und ich lese generell lieber aus der Ich-Perspektive, bin da also etwas voreingenommen.

Weiterhin fand ich es schade, dass man so wenig von der Welt gesehen hat. Zwar gibt es vier Königreiche, die aufgrund des Glaubens auch alle wichtig zu sein scheinen, aber man erfährt nur über Glas Ddir wirklich etwas, ein wenig über Fojo Karação, aber die anderen beiden werden lediglich erwähnt. Ich hoffe, dass da im nächsten Band noch mehr kommt, denn eigentlich fand ich es sehr spannend zu sehen wie groß die Unterschiede zwischen den Königreichen sind. An den Namen sieht man bereits, dass die Königreiche was die Namen der Orte und Personen angeht leicht an unsere Welt angelehnt sind, so klangen die Namen in Glas Ddir alle recht schottisch, irisch oder irgendwie aus diesem Gebiet stammend (ich kenne mich mit den einzelnen Sprachen nicht so gut aus, wie man merkt) und Fojo Karação ist eher spanisch/portugiesisch angehaucht. Das hat es ziemlich leicht gemacht zum einen Personen den Königreichen zuzuordnen, aber auch die Namen leicht aussprechbar, was für einen Fantasyroman ja nun auch nicht selbstverständlich ist. Ich denke hier an Sarah J. Maas oder die Hauptperson in der Name des Windes.

Und schließlich bin ich mir nicht sicher, wie gerne ich Mia eigentlich mag. Zum einen finde ich ihre Wandlung, die sie in Heart of Thorns durchmacht sehr spannend und durchaus positiv, da sie sich zwar weiter entwickelt, aber dabei an einigen ihrer Überzeugungen hängen bleibt und sich ihre eigene Meinung bildet. Mia ist sehr willensstark, was mir gut gefallen hat, hatte manchmal dadurch aber auch echt Scheuklappen auf und es hat gedauert, bis sie über den Tellerrand hinaus geschaut hat. Gerade zu Beginn mochte ich ihre Darstellung als »nicht diese Art von Mädchen« gar nicht, besonders im Vergleich mit ihrer kleinen Schwester Angelyne. Allerdings räumt die Autorin gerade gegen Ende diese Stereotypen nach und nach wieder aus dem Weg, sodass ich ihr das eigentlich gar nicht ankreiden mag, weil es für die Story und die Entwicklung von Mia nötig ist, aber dennoch… zu Beginn hätte ich mich da leicht drüber aufregen können, wie sehr hier mit geschlechtertypischen Klischees gearbeitet wurde.

 

Ein weiterer großer Pluspunkt der Geschichte war für mich außerdem die Repräsentation des LGBTQ+ Bereichs in Heart of Thorns. Ich möchte nicht zu viel zu den einzelnen Charakteren sagen, aber es gibt mehrere bisexuelle und auch homosexuelle Charaktere, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte, was vor allem aber auch an dem sehr konservativen Handlungsort Glas Ddir lag, wo die erstgeborene Prinzessin nie Königin werden darf und ausschließlich Männer das Sagen haben.

 

Weiterhin ist mir positiv aufgefallen, dass Heart of Thorns sich zwar intensiv mit Gefühlen beschäftigt, die Liebesgeschichte sich aber eher im Hintergrund hält und dadurch zum Mitfiebern auffordert. Vielmehr sind (besonders unterdrückte) Gefühle ein Katalysator für die Magie der Gwyrach, was ich unglaublich spannend fand. Gleichzeitig wird in Glas Ddir viel Wert auf Wissenschaft gelegt, was ein interessanter Kontrast war und gerade für Mia zu einigen Spannungen geführt hat, die sich bisher immer auf ihr angelesenes Wissen verlassen konnte.

 

Heart of Thorns hat durchaus seine Schwächen, das ist glaube ich deutlich geworden. Ich hatte einige Probleme mit den vielen Klischees am Anfang, aber da viele davon aufgeräumt wurden im Laufe der Geschichte, bilde ich mir jetzt gerne ein, dass das von der Autorin so beabsichtigt war. Jedenfalls hat das Durchhalten sich mehr als gelohnt, denn Bree Barton erfindet mit diesem Roman zwar nicht das Jugend-Fantasy-Buch neu, aber sie hat eine Welt geschaffen, die mich absolut mitreißen konnte, eine Geschichte und Charaktere die ich unglaublich gerne auf ihrer Reise verfolgt habe und auf deren Fortsetzung ich mich schon jetzt riesig freue.

Für mich hat Heart of Thorns denke ich genau deshalb so gut funktioniert, weil ich keinerlei Erwartungen daran hatte. Weil ich bereits ein klitzekleines bisschen enttäuscht war und dann so unfassbar positiv überrascht wurde.

 

Autor/in: Bree Barton 

Seiten: 464

Verlag: Katherine Tegen Books

Sprache: Englisch 

Reihe: 1/2

Wertung: 4 Sterne

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