4 Sterne, Allgemein, Fantasy, Nadine Brandes, Rezension, Young Adult

[Rezension] Fawkes – Nadine Brandes

Fawkes war so ein Buch, das ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, bis ich zufällig über den Instagram Account der Autorin gestolpert bin, woraufhin ich wiederum  auf ihren YouTube-Account gestoßen bin, was dazu geführt hat, dass ich Fawkes unbedingt lesen wollte – oder eher hören, denn ich habe zu dem Hörbuch gegriffen, da ich zu dem Zeitpunkt gerade mal wieder ein Guthaben hatte und nun einmal plötzlich in der Stimmung für Historical Fiction mit einer gehörigen Prise Fantasy war.

Im Mittelpunkt von Fawkes steht Thomas, Sohn von Guy Fawkes und aufgrund seiner Erkrankung an der steinernen Pest eher eine Enttäuschung für seinen Vater, der eine regelrechte Legende unter den Keepern ist. Anscheinend so enttäuschend, dass Thomas nicht einmal seine Maske von ihm erhält, womit es ihm trotz seiner jahrelangen Ausbildung unmöglich ist Farben-Magie auszuüben. Wild entschlossen sich diese Ungerechtigkeit nicht gefallen zu lassen reist Thomas nach London, um seinen Vater zu finden und sich seine Maske zu holen, Pest hin oder her. Ehe er sich versieht befindet er sich jedoch mittendrin in einer Verschwörung zwischen Keepern und Ignitern, in einem geplanten Anschlag auf den König von England – und ist sich mit einem Mal gar nicht mehr so sicher, auf welcher Seite er eigentlich steht, noble Absichten hin oder her.

 

Wie gesagt habe ich relativ spontan zu dem Buch gegriffen und wusste im Vorfeld fast nichts darüber. Rezensionen wollte ich nicht großartig dazu lesen, weil ich mich ausnahmsweise mal überraschen lassen wollte, was ich allgemein viel zu selten tue. Ich habe das Gefühl meistens weiß ich im Vorfeld schon viel zu viel über einige Bücher. Jedenfalls war die einzige kurze Recherche, die ich vor dem Lesen betrieben habe, Guy Fawkes und den Gunpowder Plot zu googeln, denn mir haben diese Person beziehungsweise dieses Ereignis kaum etwas gesagt. Dazu: Kann man machen, muss man nicht, denn es spoilert einem natürlich wie es für einige Charaktere ausgeht. Nichtsdestotrotz fand ich es beim Lesen spannend zumindest grob zu wissen worum es ging und wer eine historische Persönlichkeit und wer fiktiv war.

 

Remember remember, the fifth of November 

gunpowder, treason and plot

I know of no reason why gunpowder treason 

should ever be forgot. 

 

Mit diesem Gedicht startet man ins Buch und ich persönlich fand es ziemlich einprägsam. Was vielleicht daran liegt, dass es eben ein Gedicht ist und ich das Buch als Hörbuch gehört habe, die Worte also regelrecht im Ohr hatte. Irgendwie sind diese ersten Zeilen jedenfalls bei mir hängen geblieben.

So einprägsam wie das Gedicht war der Rest des Einstiegs in Fawkes dann leider nicht. Beziehungsweise war ich zu Beginn eher etwas verwirrt. Es hat einige Kapitel gedauert, bis ich das Gefühl hatte durch die Welt, die Nadine Brandes sich dort zurechtgelegt hat, einigermaßen durchzublicken. Bis zum Ende habe ich nicht so wirklich verstanden, wie die Magie in diesem Buch funktioniert und was die einzelnen Farben zu bedeuten haben, aber das waren so ziemlich die einzigen Verständnisprobleme, die ich hatte.

 

Dafür hat mir zum einen das historische Setting – ich liebe Bücher die in London spielen – sehr gut gefallen, sowie der Aspekt, dass die Geschichte ziemlich politisch angehaucht war. Es war offensichtlich, dass mit den magischen Gruppierungen ähnliche Konflikte aufgegriffen wurden wie Katholizismus und Protestantismus sie geschaffen haben. Allein die Idee ein historisches Ereignis zu nehmen und es mit Fantasy Elementen zu schmücken hat mir wahnsinnig gut gefallen und auch die Umsetzung fand ich durchaus gelungen, auch, wenn Fawkes hier und da durchaus seine Schwächen hatte.

 

Vielleicht lag es daran, dass ich das Buch „nur“ gehört und nicht gelesen habe, aber mir fiel es unglaublich schwer eine Verbindung zu Thomas aufzubauen. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich ihn als Hauptperson fast schon langweilig fand. Er ist sehr gutherzig, will immer alle retten, glaubt an das Gute in jedem (außer Henry Parker, seinem Erzfeind) und insgesamt war Thomas einfach fast schon zu perfekt. Wenn man davon absieht, dass er krank ist und unbedingt seine Maske braucht, um die steinerne Pest, die ihn schon auf einem Auge blind gemacht hat, loszuwerden, weshalb er bei der Verschwörung mitmischt. Es ist nicht so, dass ich Thomas als Erzähler nicht mochte, aber ich bezweifle auch, dass er mir in Erinnerung bleiben wird. Seine Erzählweise hat sich irgendwie distanziert angefühlt, was zweifellos an der Zeit liegt, zu der das Buch spielt. Man merkt, dass die Autorin sich große Mühe gemacht hat, dass sich Fawkes liest wie ein historischer Roman, mit einem Hauptcharakter dem es um Ehre und Anstand geht und der praktisch nur ehrbare Absichten hat. Und ein schlechtes Gewissen, wenn er mal nur an sich denkt. Wie gesagt, mir persönlich war Thomas etwas zu gutherzig im Ganzen, ich hätte mir ein paar mehr Ecken und Kanten gewünscht, aber das heißt nicht, dass er nicht trotzdem ein sympathischer Protagonist war.

 

Viel lieber noch als Thomas mochte ich allerdings Emma, einen der Nebencharaktere und quasi die Definition einer Kick-Ass-Heldin. Emma war toll, wirklich. Sie steht für sich selber ein, lässt sich von den Männern um sich herum nicht mehr herumschubsen als nötig, weiß aber auch um ihre Rolle in der Gesellschaft. Ich fand Emma großartig, besonders, sobald ihr Geheimnis ans Licht kam, was noch einmal einen ganz anderen Blick auf ihren Charakter geworfen hat.

 

Noch ein kleiner Kritikpunkt ist, dass es wirklich viele Nebencharaktere gab, was logisch ist, weil viele historische Personen an dieser Verschwörung mitgewirkt haben, die ihren Platz in der Geschichte brauchten, aber ehrlich, bis auf Catesby, der praktisch der Anführer war, und Thomas Vater, habe ich so gut wie alle Namen bereits wieder vergessen und auch während des Hörens hatte ich selten eine Ahnung, wer eigentlich wer ist. Ich könnte mir vorstellen, dass mir das Buch leichter gefallen wäre, da ich ansonsten eigentlich recht gut mit Namen bin, aber da ich keinen Vergleich habe ist das auch nur eine Vermutung. Für mich hätten es ein paar Charaktere weniger jedenfalls auch getan.

 

Abgesehen davon konnte Fawkes aber zumindest mit einer spannenden Handlung überzeugen. Zwar habe ich für die erste Hälfte des Hörbuches ein wenig länger gebraucht, dafür fand ich die zweite so spannend, dass ich es innerhalb von ein paar Tagen zu Ende gehört habe, weil ich unbedingt wissen musste wie es ausgeht. Nadine Brandes konnte mich in Fawkes mit einigen Wendungen und Twists überraschen, die ich nicht unbedingt hatte kommen sehen, was mir sehr gut gefallen hat. Obwohl ich wusste, wie es für einige Charaktere ausgehen musste, war in der Geschichte noch genug Raum für Überraschungen.

 

Insgesamt war Fawkes für mich dennoch irgendwie einfach nur mittelmäßig, auch, wenn ich die historischen und politischen Aspekte des Buches sehr spannend fand. Irgendwie ist der Funke einfach nicht übergesprungen, die Geschichte konnte mich letztendlich einfach nicht richtig begeistern, nicht mitreißen. Was möglicherweise auch daran lag, dass ich den Hörbuchsprecher zum Teil nicht mochte, beziehungsweise wie er für einige Charaktere seine Stimme verstellt hat.

 

Autor/in: Nadine Brandes 

Seiten: 441

Verlag: Harper Collins 

Sprache: Englisch 

Wertung: 3,5 Sterne

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