[Rezension] Tower of Dawn – Sarah J. Maas

Worum geht’s?

Nachdem Chaol in Queen of Shadows schwer verletzt worden ist, sind er und Nesryn nun auf dem Weg nach Antica, um die Heiler des Torre Cesme aufzusuchen, in der Hoffnung Chaol wieder auf die Beine zu bringen. Aber auch um den mächtigen khagan um Unterstützung bei dem Kampf gegen die Valg zu bitten. Kaum angekommen müssen Chaol und Nesryn feststellen, dass beide Aufgaben alles andere als leicht zu erfüllen sind. Nicht nur, dass Chaols Heilerin Yrene ihn zu hassen scheint und der khagan nicht gewillt ist ihnen zuzuhören, schon bald wird klar, dass sie die drohenden Gefahren mit ihrer Reise nicht hinter sich gelassen haben – viel mehr hängt ihr Leben davon ab, sich nicht von den Intrigen am Hof einwickeln zu lassen und gegen das Böse zu kämpfen, das auch auf diesem Kontinent in den Gebirgen lauert.

Meine Meinung. 

Tower of Dawn ist der sechste Band einer Reihe. Wenn ihr für die vorigen Bände nicht gespoilert werden wollt, dann klickt lieber weg 🙂
 
Ich war einmal ein riesiger Fan der Throne of Glass Reihe. Eines meiner liebsten Zitate stammt aus  dem zweiten Band Crown of Midnight.
Aber das ist lange her.
Das war vor vier Bänden. Vier Bänden, in denen die Reihe eine völlig andere Richtung eingeschlagen hat – angefangen damit, dass die Bücher, welche ursprünglich auf junges Publikum ausgerichtet waren und zum Young Adult Bereich gehörten, jetzt eine MATURE CONTENT Warnung auf der Rückseite haben. Versteht mich nicht falsch, ich habe kein Problem mit Mature Content (auch wenn ich finde, dass Sarah J. Maas nicht sonderlich talentiert ist solche Szenen zu schreiben), aber es passt einfach nicht so Recht mit den ersten Bänden der Reihe zusammen, wie ich finde. Während ihre A Court of Thornes and Roses Reihe von Anfang an im Adult Bereich anzusiedeln war, ist dies bei Throne of Glass wie gesagt nicht der Fall und dieser Umschwung mitten in der Serie passt mir irgendwie so gar nicht.
Abgesehen davon stört es mich wahnsinnig, dass die Autorin gefühlt nur noch 600+ Seiten Wälzer schreiben kann. Auch etwas, das nicht schlimm wäre, wenn diese Seiten denn mit Inhalt gefüllt wären und nicht mit gefühlten seitenlangen Beschreibungen davon, wie toll Rowans/Chaols Bauchmuskeln sind oder wie schön und umwerfend Aelin/Yrene aussieht. Denn ehrlich, Beschreibungen dieser Art kamen in den letzten Bänden schon dauernd vor und auch Tower of Dawn macht hier leider keine Ausnahme. Ich würde mir wirklich mal wünschen, dass Sarah J. Maas Protagonisten schafft die nicht umwerfend schön und göttlich sind, sondern normal. Die Fehler haben. Keine Models.
Wenn ich ehrlich bin, dann lese ich diese Reihe mittlerweile nur noch, weil ich mich schon durch fünf – jetzt sechs – Bände gekämpft habe. Und ja, ich habe mit den Charakteren mit gelitten und gefiebert und will jetzt auch verdammt nochmal wissen wie es ausgeht! Dass mir die meisten Charaktere egal geworden sind ist mir mittlerweile relativ… naja, egal eben. Denn es gibt immer wieder ein paar Highlights, ein paar Szenen, die dafür sorgen, dass ich doch am Ball bleibe. Einzelne Charaktere, die ich noch nicht vollkommen abgeschrieben habe.
Ursprünglich war ich mal ein riesiger Chaol Fan. Er war so ziemlich mein liebster Charakter in den ersten zwei Bänden. In Heir of Fire mochte ich ihn auch noch, in Queen of Shadows etwas weniger, weil… nun ja, man hat nun einmal gemerkt, dass die Autorin selbst die größte Verfechterin des Rowaelin Ships ist. Alle anderen Charaktere wurden gefühlt abgeschrieben. Als Chaol in Empire of Storms nicht einmal erwähnt worden ist, war ich richtig sauer. Als es hieß, dass wir eine Kurzgeschichte über ihn kriegen war ich etwas besänftigt. Als es hieß, seine Geschichte ist auf einmal ein ganzes Buch, wurde ich skeptisch.
Und das zurecht. Wie gesagt, das Buch ist mit 664 Seiten ein richtiger Wälzer. Und ehrlich? Man könnte mal wieder gut die Hälfte davon streichen. Die letzten zweihundert Seiten waren richtig spannend, die ersten vierhundert… weniger.
Als ich angefangen habe das Buch zu lesen war ich erst einmal vollkommen überfordert. Auf den ersten zwanzig Seiten werden gefühlt genauso viele neue Charaktere eingeführt. Man sollte meinen nach neun veröffentlichten Büchern wüsste die Autorin, das man so etwas nicht macht. So etwas überfordert mich als Leser ungemein, besonders, wenn nebenbei noch Beschreibungen zur Kultur auf dem neuen Kontinent und der Religion und der Stadt und und und kommen. Ich habe das Buch vor ein paar Stunden beendet und weiß jetzt schon nicht mehr die Namen von den ganzen Prinzen/ Prinzessinnen.
Wie seit Heir of Fire üblich gibt es zahlreiche Sichtwechsel zwischen den Hauptcharakteren, in diesem Fall Chaol, Nesryn und Yrene. Und ich bin immer noch kein Fan davon. Irgendwie schafft die Autorin es, dass im nächsten Kapitel nie die Sicht kommt die mich in dem Moment interessiert. Das hat meine Freude am Lesen deutlich gehemmt. Gefühlt wurde immer dahin geblendet wo es gerade weniger spannend war und das hat logischerweise gestört. Dem Buch hat es eindeutig an Spannung in den ersten zwei Dritteln gefehlt. Außerdem ist so gut wie nichts unvorhersehbares passiert. Selbst der eine Plottwist gegen Ende hat mich absolut nicht geschockt.
Und ehrlich, wäre der Epilog nicht gewesen… meine Motivation nächstes Jahr den nächsten Band zu lesen wäre sehr, sehr gering. Aber der Epilog? Sehr gelungen. Wirklich. Ich wünschte das ganze Buch hätte mich mit so einem Gefühl zurück gelassen. Dem Drang weiter lesen zu wollen.
Was man Sarah J. Maas ja lassen muss, finde ich, ist, dass sie gut schreibt. Die Seiten flogen stellenweise nur so dahin, wenn man denn erstmal drin war in der Geschichte und/ oder es doch tatsächlich mal spannend wurde. An dem Schreibstil habe ich wirklich nichts zu meckern, der wird eher von Buch zu Buch besser, wie ich finde.
Ein großer Minuspunkt an Tower of Dawn war für mich, dass ich irgendwie etwas anderes erwartet habe. Und ja, das ist zum Teil meine Schuld, heißt aber nicht, dass mir das Buch deshalb besser gefällt. Irgendwie habe ich Chaol aus den ersten Bänden nämlich ganz anders in Erinnerung und damals gefiel er mir besser. Der Tower of Dawn-Chaol ist zerfressen von Schuldgefühlen und macht gefühlt das ganze Buch lang nur minimale Fortschritte. Es ist nicht so, dass diese Schuldgefühle nicht nachvollziehbar sind, zumindest in Bezug auf die meisten Dinge, aber insbesondere im Bezug auf Nesryn und Aelin war ich irgendwann einfach nur noch genervt.
Yrene hat mir als Hauptcharakter erstaunlich gut gefallen, auch, wenn mich gewaltig gestört hat, dass sie gefühlt von jedem angehimmelt wird. Wo sind ihre Fehler gewesen? Wann hat sie mal nicht perfekt gehandelt?
Nesryn war ein Charakter, bei dem ich mich anfangs wirklich gefragt habe, warum sie überhaupt ihre eigene Sicht bekommen hat. Bis mir ein paar Seiten später aufging, dass die Autorin ansonsten keine Liebesgeschichte für sie hätte spinnen können.
Ein gewaltiger Kritikpunkt den ich mittlerweile an der ganzen Reihe habe, ist, dass jeder – wirklich jeder – früher oder später (eher früher) jemanden abbekommt. Es gibt dort nur noch Pärchen! Und das schlimme ist, dass man sofort weiß, wer füreinander bestimmt ist, da die beiden sich sobald sie sich das erste Mal sehen mit den Augen ausziehen. Absolut nervig und absolut nicht relevant für Handlung.

Fazit?

 Abschließend würde ich sagen: Kann man lesen, muss man nicht.
Ich hatte durchaus meinen Spaß mit dem Buch. Das kam in meiner Rezension vielleicht gerade nicht so rüber, aber Tower of Dawn ist nicht schlecht. Es gab einige große Dinge die mich gestört haben und die mich an der ganzen Reihe/ der Autorin stören, weil sie die einfach immer wieder macht, aber insgesamt kann man das Buch durchaus lesen. Man kann sich allerdings auch einfach auf Tumblr alles relevante für den nächsten Band spoilern und sich 664 Seiten Geschmachte ersparen. Jedem das seine.

Infos

Autor/in: Sarah J. Maas
Seiten: 664
Verlag: Bloomsbury 
Sprache: Englisch 
Deutsche Übersetzung: Throne of Glass - Der verwundete Krieger
Reihe: Throne of Glass #6
Wertung: 3,5 Sterne

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